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Jugendliche im Netz : Nachrichten: Youtube statt Tagesschau

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Erwachsene schauen das Erste, die Jugend ist online. Für jüngere Leute spielen soziale Netzwerke wie Youtube eine wichtige Rolle in der politischen Bildung. Was reizt sie daran und wo ist das Risiko?

In Deutschland ist Florian Mundt alias LeFloid längst ein Star der Youtube-Szene: Über 2,7 Millionen Zuschauer haben den Kanal des Webvideoproduzenten abonniert, regelmäßig und frei Schnauze kommentiert der 27-Jährige dort das aktuelle Weltgeschehen. Welche Tragweite eine Plattform wie Youtube hat, zeigen die Zahlen: Mehr als eine Milliarde Menschen erreicht der Google-Dienst nach Angaben der Betreiber weltweit – die Anzahl der Stunden, die Nutzer jeden Monat dort verbringen, steigt jährlich um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wiederum 15 Prozent davon sind der Plattform zufolge unter 18 Jahre alt.

Gerade das Internet sei deshalb ein Medium, das genau die Generation erreiche, die mit Fernsehen & Co. nicht mehr so viel anfangen kann, sagt LeFloid. „Es ist wichtig, dass man jüngere Leute abholt, sich noch mal intensiver mit verschiedenen Themen zu befassen, als immer nur das zu hören, was in den Nachrichten kommt oder was die Eltern zu Hause rumposaunen.“

Als Leitfigur oder Meinungsmacher sieht Mundt sich aber nicht – im Vordergrund stehe mehr die Diskussion, die das Video auslöst: „Ich konfrontiere Leute mit etwas, und dann möchte ich, dass sie sich mit dem Gesagten auseinandersetzen.“

Dass seine Rechnung aufgeht, zeigt der Blick ins Netz: Allein das Video „Respektloser Scheiß – oder wichtige Bilder?“ (#LeNEWS vom 7. September) wurde in weniger als einer Woche fast 9000 Mal kommentiert. Nicht selten passiert es dann, dass das ein oder andere Argument Mundt selbst zum Nachdenken bringt – „oder eben Leute mit einer ganz anderen Vorstellung reingehen und zwölf Kommentare später sagen:  So hab ich das auch noch nicht gesehen“.

Das gefällt auch seinen Anhängern: „Es ist wichtig, die Meinung von anderen Fans zu hören“, sagt die 17-jährige Vanessa, die dem Aufruf des Youtubers gefolgt und Mitte September zur Diskussionsrunde zwischen Star und Fans in Berlin erschienen war. Entscheidend sei dabei, eine offene Diskussion zu führen, „die von nichts geprägt ist“, ergänzt der Schüler Jonathan. Gerade in öffentlich-rechtlichen Medien habe er oft das Gefühl, dass mit großer Vorsicht kommentiert werde.

Youtube selbst will besonders in puncto Meinungsfreiheit der richtige Ort für einen ungezwungenen Austausch sein: „Freedom of Speech“ sei das Leitmotiv der Plattform, sagt Mounira Latrache, Leiterin des Youtube-Space in Berlin. „Wir sagen: Alle Meinungen sind erlaubt, solange sie nicht ausgrenzend sind.“ Doch wer mobbt oder gewaltverherrlichende Inhalte hochlädt, fliegt in Deutschland aus der Youtube-Gemeinde raus – vorausgesetzt, er wird von anderen Nutzern gemeldet.

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