#prayforparis : Nach dem Terror in Paris: Wie trauert man in sozialen Medien?

#prayforparis oder blau-weiß-rote Profilfotos? Jeder zeigt seine Trauer anders – und dafür braucht es Toleranz, findet unsere Kolumnistin Barbara Maas.

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16. November 2015, 18:45 Uhr

Der 13. November 2015 bei Facebook und Twitter: Facebook richtet einen „Safety Check“ ein – 4,1 Millionen Menschen in Paris signalisieren so nach den Terroranschlägen ihren Bekannten vom Smartphone aus: „Ich bin in Sicherheit. Mir ist nichts passiert.“ Traumatisierte Opfer posten Bilder und Texte, die in ihrer Direktheit nur schwer zu ertragen sind. Tiefe Trauer steht neben Populismus und Hass. Und immer wieder gibt es Streit um die Frage: Darf man das? Ist es richtig? Angemessen?

Ein Blick auf die Trauer: Kritik entzündet sich zum Beispiel am Twitter-Hashtag #prayforparis. Paris brauche nicht noch mehr Religion, findet Joann Sfar, Cartoonist der Satire-Zeitschrift „Charly Hebdo“, die im Januar Ziel eines Anschlags wurde. Der Beitrag wird millionenfach geteilt. Ich finde, dass Menschen für Paris beten dürfen sollen, wenn sie das möchten – auch öffentlich.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="en"><p lang="en" dir="ltr"><a href="https://twitter.com/hashtag/prayforparis?src=hash">#prayforparis</a> has been answered by Joann Sfar, french cartoonist <a href="https://t.co/y7luvrH9jJ">pic.twitter.com/y7luvrH9jJ</a></p>&mdash; Umar Cheema (@UmarCheema1) <a href="https://twitter.com/UmarCheema1/status/666493907644084224">November 17, 2015</a></blockquote>

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Als Facebook mir die Möglichkeit gibt, mein Profilfoto als Tricolore einzufärben, empfinde ich das dagegen als befremdlich. Viele meiner Facebook-Freunde sind jetzt blau-weiß-rot. Ich nicht. Ich will nicht, dass mir ein Internet-Konzern mit viel Macht vorschreibt, wie ich trauern und Solidarität zeigen soll. In einer Uniform? Auf keinen Fall! Aber wie dann?

<p>Mark Zuckerberg färbte sein Profilfoto auch kurzzeitig in den Farben der französischen Tricolore. </p>
Screenshot/Facebook

Mark Zuckerberg färbte sein Profilfoto auch kurzzeitig in den Farben der französischen Tricolore.

 

Ich bin ziemlich viel bei Facebook und bei Twitter unterwegs – und doch habe ich dort, in der Öffentlichkeit der sozialen Medien, einfach keine Worte gefunden für mein Mitgefühl und meine Fassungslosigkeit, für die Hilflosigkeit und das Grauen. Alles kam mir zu persönlich vor – oder plattitüdenhaft. Vielleicht bin ich damit nicht allein, vielleicht erklärt das den Erfolg des Nationalfarben-Filters und anderer Bilder. Ein gezeichnetes Peace-Zeichen mit einem Eiffelturm tauchte am häufigsten in meinem Newsfeed auf. Geteilt habe ich es nicht. Warum? Keine Ahnung.

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Jeder nimmt anders Anteil – mit Worten, mit Bildern, trotzig, still. Auch dafür braucht es Toleranz.

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