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„Die Dritte Gorgone“ in Flensburg : Multimediales Theater: Peer Ripberger und seine digitalen Schauspieler

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Theater mal anders: Das Publikum bewegt sich und kann mit den digitalen Figuren kommunizieren.

Wie in die Augen der Medusa schaut Peer Ripberger auf sein Smartphone. Beim Anblick der Schreckgestalt mit den Schlangenhaaren erstarrt man zu Stein. So heißt es zumindest in der griechischen Mythologie über die drei Gorgonen, zu denen Medusa gehörte. „Wenn wir auf unsere Bildschirme blicken, ist es, als seien wir erstarrt“, sagt der Flensburger Theater-Regisseur. Für den 28-Jährigen waren die mythischen Gestalten deshalb die perfekten Metaphern für sein neues Stück „Die Dritte Gorgone“.

Dabei geht es nicht um die Antike, sondern um die Zukunft. „Hinter dem Stück steht die Frage, wie die Technisierung die Arbeitswelt verändert“, erklärt Ripberger am Rande der letzten Vorbereitungen für die Premiere in der Flensburger Theaterwerkstatt Pilkentafel. Wie geht die Gesellschaft damit um, wenn nahezu die Hälfte aller Arbeitsplätze verloren gehen, weil sie von Maschinen und Computern übernommen werden?

Ripberger hat in fünf Wochen Produktionszeit mit der Videokamera Flensburger Bürger aus verschiedenen Berufsfeldern zu dieser Frage interviewt. „Es geht um ihre Erfahrungen, Ängste, aber auch darum, was sie an der Entwicklung spannend finden.“ Weniger Arbeit – für den Regisseur muss das nicht schlecht für eine Gesellschaft sein. „Es entstehen neue Freiräume, in denen wir uns mehr um unsere Mitmenschen, aber auch um uns selbst kümmern können.“ Angehörige pflegen, Kinder erziehen, neue Fähigkeiten erlernen – dafür gebe es heute zu wenig Zeit. In Zukunft könnte sich das ändern. Ripberger: „Es gibt dafür bereits Konzepte wie das Postwachstum oder das bedingungslose Grundeinkommen.“ Sein Stück soll anregen, Visionen zu entwerfen und vor allem die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen, statt vor der Digitalisierung zu resignieren.

Bezeichnenderweise werden bei der Aufführung keine Schauspieler anwesend sein. Das Stück wird auf fünf verschiedene Leinwände projeziert. „Das Publikum wird sich im Raum bewegen und über Smartphone und Tablets auch mit einer Figur kommunizieren können.“ Das sei der entscheidende Unterschied zu einem Dokumentarfilm. Peer Ripberger bezeichnet es als „multimediales Theatereignis.“

Das Theater und allgemein die Kunst seien von der Digitalisierung nicht unberührt. Ripberger ist bekannt für den kreativen Einsatz neuer Medien. Er glaubt aber nicht, dass auch hier irgendwann Maschinen und künstliche Intelligenz das Ruder übernehmen könnten. „Wenn Maschinen Musik machen, würde mich das nicht interessieren. Kunst lebt von Menschen.“

>„Die Dritte Gorgone“, Premiere am  5.11. in der Flensburger Pilkentafel. Spielplan auf www.pilkentafel.de

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erstellt am 31.Okt.2015 | 11:31 Uhr

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