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Mittelalter in der Gamingbranche

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

von
erstellt am 14.Sep.2014 | 12:54 Uhr

Fast jeder spielt, seien es Computer-, Konsolen-, Browser- oder Handyspiele. Und weil sie das gerne tun, boomt die Gamingbranche. Viele Spiele haben eines gemein: Sie sind sexistisch, sie degradieren Frauen. In-Game sind sie Sexobjekte, gelten als schwach, werden geschlagen oder erniedrigt.

Lara Croft wird, sexy gekleidet, durch eine virtuelle Welt gesteuert. In Super Mario muss der kleine Klempner seine – die gefangene – Prinzessin vor den Bösen retten. Purer Sexismus in einer männerdominierten Branche.

Das findet zumindest Anita Sarkeesian. Die Videobloggerin beschäftigt sich mit der Darstellung und Rolle von Frauen in Computerspielen. Ihr Projekt „Tropes vs. Women“ befasste sich mit dem Thema „frauenbezogene Stereotypen in Videospielen“.

Der Shitstorm gegen Sarkeesian folgte auf dem Fuß. Sachliche Kritik wäre die eine Sache gewesen. Was die 30-Jährige jedoch erntete, war purer Hass aus der Szene. Gegen ihre Person, gegen ihre Abstammung, sie erhielt Vergewaltigungs- und Mordandrohungen. Das war 2012.

Im März 2014 erhielt Sarkeesian den Game Developers Choice Award. Eine Auszeichnung, die Personen bekommen, die dazu beitragen, den Stand der Computerspieleindustrie zu verbessern. Was seither folgt, ist erneuter Hass, sind erneute Drohungen.

Entwickler und Spieler sollten dabei eigentlich froh sein, dass sich jemand ernsthaft und voller Engagement mit der Spielewelt beschäftigt. Games kommen langsam dort an, wo sie nach der Meinung vieler nicht hingehören – in der Kunst. Die feministische Kritik Sarkeesians ist die Auseinandersetzung mit dieser Kunst. Viele Spieler haben damit aber offenbar ein Problem. Doch weder online noch offline gibt es einen Grund, jemandem mit dem Tod zu drohen. Dabei muss die Diskussion geführt und die Frage geklärt werden, warum gerade im Videospiel ein antikes Frauenbild noch immer verankert ist. Menschen wie Anita Sarkeesian stehen an der Spitze einer Sexismus-Debatte, die Spieler und Spielerinnen – immerhin gibt es laut einer Studie rund 10,8 Millionen in Deutschland – gleichermaßen etwas angeht.

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