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Anonymes Surfen : Mit der Tarnkappe durchs Netz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit spezieller Software können Internetnutzer ihre Identität verbergen. Wer sie nutzt, sollte die Schwächen der Programme kennen.

Flensburg | Der Kassierer im Supermarkt knüpft vom Kunden zwar Geld ab, die Angabe der Hausanschrift verlangt er aber nicht. Das ist ja auch unsinnig. Im Internet ist das anders: Wer nur ein paar Schuhe oder ein Buch kauft, gibt freiwillig eine Menge Daten preis, ohne dass ihn jemand um Erlaubnis bittet. Jede angeklickte Website merkt sich nämlich die IP-Adresse, die mit einer Telefonnummer oder Hausanschrift zu vergleichen ist. Sie ist fast so einmalig wie ein Fingerabdruck.

Mit den digitalen Surfspuren ist der Kunde hinterher eindeutig zu identifizieren. Der Shopbetreiber braucht einfach nur die IP-Adresse mit weiteren von ihm erfassten Daten zu verknüpfen, um so das Konsumverhalten des Kunden zu erforschen. Auf diese Weise kann der Betreiber Rückschlüsse auf die Präferenzen des Käufers ziehen und ihn gezielt mit Werbung bombardieren – im Fachjargon Spam genannt. Es ist schon verblüffend, wie gut Onlineshops die Neigungen ihrer Käufer kennen und ihnen Produkte vorschlagen.

Doch Werbung ist noch das harmloseste Problem der fehlenden Anonymität im Netz: Im schlimmsten Fall kann alles, was der Anwender im Netz tut, von Unbefugten mitgelesen werden – der gläserne Surfer ist also Realität. Wer sich nicht ausspionieren lassen möchte, muss Gegenmaßnahmen ergreifen. Hier beginnt die Arbeit einer Spezialsoftware, die unter dem Namen „Anonymizer“ (auf Deutsch: Anonymisierer) bekannt ist. So ein Tool verschleiert die IP-Adresse, indem es den Internetverkehr über mehrere meist im Ausland befindlichen Rechner – auch Server genannt – umleitet. Unbefugte werden so auf eine falsche Fährte geführt. Der Aufwand einer Rückverfolgung ist für sie zu hoch. Für Privatanwender, die ihr wahres Gesicht per Anonymizer verschleiern möchten, hat die Software aber auch einen Nachteil: Das Surfen verlangsamt sich – insbesondere bei Seiten mit vielen Grafiken. Tipp: Die digitale Tarnkappe nur bei Bedarf aufsetzen, pardon: einschalten.

Einige Spurenvernichter im Kurzporträt:

Falsche Fährte legen: CyberGhost 5Diese Lösung schützt PC, Notebook, Tablet und Smartphones vor Schnüfflern. Das Prinzip ist einfach: Das Tool leitet die Internet-Verbindung auf die CyberGhost-Rechner um, indem es die Kennung austauscht – schon surft der Anwender anonym. Der Clou: Auch die Verbindung zu den neuen Servern ist geschützt. Ein „Virtuelles Privates Netzwerk“ (VPN) verschlüsselt den Datenaustausch. Das Programm ist sehr übersichtlich aufgebaut und auch für Einsteiger gut zu bedienen. Die abgespeckte Gratisversion bricht nach drei Stunden eine Verbindung ab. Eignet sich für Windows und iOS. Premium-Version: ab rund 20 Euro. www.cyberghostvpn.com

E-Mail zum Wegwerfen: Steganos Internet Anonym VPNDie in Berlin ansässige Firma Steganos hat sich auf Sicherheitssoftware spezialisiert und genießt mit ihren Produkten einen guten Ruf. Diese Tarnsoftware teilt dem Anwender eine neue IP-Adresse zu, sodass seine wahre Identität geheim bleibt. Die Lösung überzeugt durch pfiffige Extras: So sorgt ein „Turbo“ für mehr Surftempo und eine temporäre E-Mail („Wegwerf-E-Mail“) hilft, Spam zu vermeiden. Eignet sich für Windows. Der Preis für eine Jahreslizenz: rund 80 Euro. www.steganos.de

Anonym im Café surfen: Shellfire VPNKostenlose Internetzugänge in Flughäfen oder Hotels – auch Hotspots genannt – sind eine tolle Sache, doch oft unzureichend geschützt. Hotspots gelten als beliebter Tummelplatz für Spione. Smartphone- und Tablet-Besitzer sollten sich diese App auf ihr Endgerät laden. Das Tool verschleiert nicht nur die IP-Adresse im Hotspot, sondern verschlüsselt auch den Datenverkehr. Die Lösung eignet sich für Windows und Android. Preis: gratis (Premium-Version mit höherer Sicherheit: rund 4 Euro). www.shellfire.de

MAC-Adresse verschleiern: SMAC 2.7 betaViele Surfer wissen nicht, dass auch die im Rechner eingebaute Netzwerkkarte eine Adresse besitzt (Media Access Control, kurz MAC genannt), über die ein Rechner klar zu identifizieren ist. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte also auch diese Kennung verbergen. Das Programm „SMAC“ von KLC Consulting ermöglicht es, die MAC-Adressen der meisten Netzwerkkarten zu ändern. Die aktuelle Version 2.7 beta lässt zwar nur eine vorgesehene Standard-MAC-Kennung zu, aber die genügt bereits, um die Privatsphäre des Nutzers zu schützen. Eignet sich für Windows. www.klcconsulting.net/smac

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erstellt am 07.Mai.2014 | 20:00 Uhr

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