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Landtag in Kiel : Ministerin: Kein generelles Handy-Verbot an Schulen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Handys gehören zum Alltag – deshalb dürfen sie an Schulen nicht verboten werden, fordern die Piraten. Das Parlament überwies das Thema an den Bildungsausschuss.

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erstellt am 18.Nov.2015 | 18:21 Uhr

Generelles Verbot nein, Nutzungseinschränkungen ja – darin waren sich die Abgeordneten in der gestrigen Landtagssitzung beim Thema Handyverbot an Schulen einig. „Handys gehören zum Alltag der Jugendlichen heute dazu“, sagte Sven Krumbeck (Piraten). Seine Partei hatte das Thema zur Abstimmung gebracht und vorab den Wissenschaftlichen Dienst des Landes angerufen. Dessen Gutachten sagt: Ein generelles Mitführverbot für Handys sei nicht rechtens, die Nutzung einzuschränken obliege jedoch den Schulen selbst.

Trotz dieser Einigkeit mussten die Piraten für ihren Vorstoß Kritik einstecken: „Wir sollten den Schulen nicht noch weitere Konzepte auferlegen“, sagte Heike Franzen (CDU). „Die haben im Moment ganz andere Probleme.“ Außerdem kenne sie keine Schule mit einem generellen Handyverbot. Damit steht Franzen nicht allein: Auch SPD-Mann Kai Vogel kenne nur Beispiele, in denen Handys gern gesehen werden – nicht als Ablenkung während des Unterrichts, sondern als Instrument, um im Notfall die Eltern zu informieren. Diese Rahmenbedingungen beschließen Schulen in der Schulkonferenz, in der alle betroffenen Gruppen – Schülervertretung, Eltern und Lehrer – gemeinsam Entscheidungen treffen. „Das sollte auch weiter individuell und schulintern gehandhabt werden“, sagte Vogel. „Ein Verbot ist weder Praxis noch Leitlinie an den Schulen in Schleswig-Holstein“, sagte Bildungsministerin Britta Ernst. „Ihnen ein Konzept von oben aufzudrücken ist nicht der richtige Weg.“ Auch Anita Klahn (FDP) kritisiert die Piraten für ihren Antrag: „Hier wird ein Problem aufgemacht, das gar keins ist.“ Es sei hilfreich, wenn die Eltern ihrem Kind einen verantwortungsvollen Umgang mit den Geräten vermitteln, aber „es gibt auch Orte, an denen ein Handy nicht nötig ist.“

Anke Erdmann (Grüne) möchte die Schule nicht nur als authentischen Lebensraum, sondern gar als „elternfreie Zone“ wissen: „Das Handy ist manchmal eine verlängerte Nabelschnur“, Kinder seien über die mobilen Geräte ständig erreich- und kontrollierbar, kritisiert sie. Dabei sei es – gerade für die jüngeren Kinder – wichtig, „auf dem Schulhof echte Begegnungen zu haben“.

Verbote sind für für Jette Waldinger-Thiering vom SSW kein Thema: „Sie sind kontraproduktiv und gehen an der Realität vorbei.“ Es gehe ihr um Kompetenz und einen maßvollen Umgang mit den Geräten. Dafür gebe es bereits Konzepte, beispielsweise vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH), sagte Pirat Krumbeck: „Die Hilfe ist da, sie muss nur angenommen werden.“

Einigkeit herrschte auch über den weiteren Umgang mit dem Thema: Einstimmig wurde das Handyverbot an Schulen an den Bildungsausschuss (nächste Tagung am 26. November) überwiesen.

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