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Integration : Mein Vorbild: Zwischen Jura und Youtube

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Jeder kann Vorbild sein“, sagt Hamed Chaudhry. Mit seinem Projekt „Mein Vorbild“ möchte er jungen Menschen Perspektiven aufzeigen und helfen, Integrationsprobleme zu lösen.

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erstellt am 04.Apr.2015 | 04:15 Uhr

Stuck an den hohen Decken, Reste eines alten Kamins, die Tische in der Mitte des Raumes zu einem Kreis zusammengestellt – in dem kleinen Saal im Schleswiger Amtsgericht, der normalerweise Richtern für Hintergrundgespräche zur Verfügung steht, fühlt sich Hamed Chaudhry wohl. Doch ob sich seine Zukunft in diesen Wänden abspielen wird, kann der 22-jährige Kieler Jurastudent am letzten Tag seines Praktikums noch nicht beantworten. Vielleicht deshalb, weil er sein Leben nicht auf einen bestimmten Beruf, sondern auf ein bestimmtes Thema ausgerichtet hat: Integration.

Seit er 16 Jahre alt ist, setzt der Sohn indischer Einwanderer und gläubige Moslem sich in unterschiedlichen Projekten mit der Frage auseinander, wie Integration gelingen kann. Als wegweisend für Hamed stellte sich sein Kurzfilm „Ankerwurf im Hafen Deutschland“ (2011) heraus: „In dem Video habe ich erst begriffen, worum es geht, wie man Integration gestalten kann“, sagt er heute. Muslime könnten viel mehr tun. „Unsere Aufgabe ist auch, dem Land, in dem wir leben, etwas zurückzugeben.“ Bildung, Sport, Teilhabe – beispielsweise durch ehrenamtliches Engagement – seien mögliche Wege. Sein Werk hat bewegt, es wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem „Com.mit Award“ von RTL. So lernte er auch den Nachrichtensprecher und ehemaligen RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel kennen, mit dem er seither in Kontakt steht, und der als Gast der ersten Folge seines aktuellen Projektes „Mein Vorbild“ Frage und Antwort stand.

Hamed setzt bei „Mein Vorbild“ auf das Internet: jede Folge gibt es kostenlos auf der Videoplattform Youtube zu sehen. Er möchte jungen Menschen Perspektiven im Leben aufzeigen. Als Beispiele dienen Prominente wie Fußball-Profi Gerald Asamoah oder Auto-Tuning-Experte Jean-Pierre Krämer. Sie werden porträtiert, am Ende einer jeden Sendung gibt’s für den Gast eine Auszeichnung: den „Mein Vorbild“-Award. „Mit der Sendung wollen wir zeigen: ,Man kann etwas schaffen’“, erklärt Hamed. „Junge Menschen brauchen Vorbilder.“ Sich Ziele setzen und Lust darauf haben sei wichtig für die Motivation und schlussendlich für den Erfolg. Das sehe er auch bei sich selbst: „Das Jurastudium ist kein Selbstgänger“, sagt der einstige Hauptschüler. Oft habe er gehört: ,Du schaffst das nicht.’ Als gläubigem Moslem hätten ihm Gebete und der Kontakt zu Gott geholfen, nicht aufzugeben und seine Ziele zu erreichen.

Hamed, der in Jagel (Kreis Schleswig-Flensburg) geboren und aufgewachsen ist, steckt voller Ideale. Vom Erfolg verbiegen lassen will er weder sich selbst noch seine Sendung. Das Konzept an einen Sender zu verkaufen, komme für ihn nicht infrage, auch wenn das „nebenbei“ sehr an den Nerven zerre, sagt er. Die Dreharbeiten können nur in Hameds Semesterferien stattfinden – ansonsten bleibt neben Klausuren wenig Zeit. Aktuell dreht das Team innerhalb von zwei Wochen sechs Folgen und veröffentlicht sie nach und nach auf der Videoplattform Youtube – zunächst noch mit Prominenten als Gäste, sollen später auch unbekannte Menschen in den Mittelpunkt rücken: „Jeder hat besondere Eigenschaften, die vorbildlich sind“, sagt Hamed. „In Schleswig kenne ich viele, die ich auszeichnen würde.“

Dass es die ganz normalen Leute sind, die beim Publikum ankommen, zeigen die Klickzahlen: Das Porträt von Auto-Tuner Jean Pierre Krämer wurde mit knapp 100  000 Klicks am häufigsten aufgerufen. „Er hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht“, erklärt Hamed. Dieses Rezept scheint anzukommen.


> http://www.meinvorbild.tv/


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