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Gehacktes Seitensprungportal Ashley Madison : Mein Fahrstil, meine Vitaldaten, mein Sexleben

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das gehackte Seitensprungportal steht für ein grundsätzliches Problem – denn längst liegt unser Leben im Netz. Ein Kommentar von Kathrin Emse.

Ich gebe zu: Als ich am Mittwoch die Nachricht las, dass das Seitensprung-Portal „Ashley Madison“ gehackt und Millionen gestohlene Nutzerdaten von den Klarnamen über die Adressen bis zu den sexuellen Vorlieben im Netz veröffentlicht worden sind, konnte ich mich einer gewissen Häme nicht erwehren. So ist das halt, wenn man fremdgeht – irgendwann fliegt’s auf. Das wird bei Millionen von Paaren Ärger geben. So weit, so gemein.

Wer dieses Thema aber konsequent weiterdenkt, muss sich schnell fragen, wie sicher die eigenen Daten überhaupt sind, die er oder sie zum Teil leichtfertig preisgibt – etwa in den sozialen Netzwerken oder mit den immer beliebter werdenden Fitnessarmbändern, die permanent die Vitaldaten des Trägers an eine spezielle App zur Auswertung übermitteln. Nun lässt sich auch in diesem Punkt einwenden, dass diesbezüglich bereits oft und ausgiebig genug gewarnt wurde. Und dass, wer solche Daten freigibt, wissen müsste, dass diese von Datensammlern – wie etwa auch Google – ausgewertet werden. Aber auch das ist noch immer zu kurz gedacht.

Denn was ist mit all den Daten, die Menschen in Internet-Clouds einspeisen – oder die elektronisch bei der Krankenkasse, der Hausbank, dem Arbeitgeber abgespeichert werden? Sie alle können theoretisch – und leider immer wieder auch praktisch – gehackt werden. Sie alle können, und werden tatsächlich zum Teil auch schon, zu Personenprofilen zusammengezogen.

Darüber lässt sich trefflich klagen oder warnend den Finger vor dem bösen Internet in die Luft recken, um die guten alten Zeiten der Papierakten heraufzubeschwören. Doch dieser Zug ist abgefahren. Und das ist in vielen Bereichen auch gut so. Allerdings wird das alles die Gesellschaft nachhaltig verändern. Das muss klar sein. Und dann kann im nächsten Schritt überlegt werden, wie weit eine Gesellschaft mit dieser Veränderung wirklich gehen soll. Unternehmen wie Google forschen nicht aus reinem Forscherdrang an selbststeuernden Autos, um ein Beispiel zu nennen. Doch wollen wir wirklich, dass die Autos uns und nicht mehr wir sie fahren? Das alles beeinflusst die Selbstbestimmung. Wie bei den Seitenspringern, die nun gegen ihren Willen aufgeflogen sind.

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erstellt am 20.Aug.2015 | 10:26 Uhr

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