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Dreyklufts Netzwelt : Mehr Transparenz bei Algorithmen: Dafür muss man Heiko Maas loben

vom

Der Justizminister stößt eine neue Digitaldebatte an. Diesmal könnte es sogar gut werden.

shz.de von
erstellt am 06.Jul.2017 | 15:51 Uhr

Bundesjustizminister Heiko Maas hat es gerade bei vielen digital Denkenden schwer. Grund ist das  „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“, laut dem Konzerne wie Facebook und nicht Gerichte entscheiden, welche Inhalte legal sind und welche illegal. Der Meinungsfreiheit hat Maas geschadet.

Dennoch stürmt er in Sachen Internet-Regulierung ungebremst weiter. Und diesmal, so unpopulär das gerade ist, muss ich ihn verteidigen.  Am Montag hielt Maas eine in Fachkreisen beachtete und auch viel kritisierte Rede. Der Minister nahm dabei „Algorithmen“ aufs Korn und kündigte an, sie künftig stärker regulieren  zu wollen. Sein Beispiel: In einem britischen Sketch werden Menschen in einem Reisebüro, bei der Bank oder im Krankenhaus abgewimmelt mit der Auskunft: „Computer says no.“

Die Gefahr, auf die Maas anspielt ist real. Schon heute werden Menschen auf Basis ihrer Datenhistorie bewertet bei Kreditverträgen, Versicherungen, Online-Händlern etc.  Es droht, „normal“ zu werden, dass Menschen Leistungen gar nicht oder nur teurer bekommen auf Basis von Kriterien, die ihnen nicht offen gelegt werden. Maas verweist darauf, dass Ähnliches außerhalb der digitalen Welt im Antidiskriminierungsgesetz geregelt sei. Er fordert quasi eine digitale Variante davon.

Ich finde den Ansatz von Maas gut und würde es begrüßen, wenn eine Bank mir begründen müsste, auf welcher Basis sie mir einen Kredit verweigert. Kritiker meinen, Maas sei in seiner Rede „das Wie“ schuldig geblieben. Auch das finde ich gut. Denn ein Gesetz nach einer breiten Debatte hat die Chance, viel besser zu werden als das durchgepeitschte NetzDG.

Mir macht aber Sorgen, dass Maas  im Zusammenhang mit Algorithmen den Modebegriff der „Echokammern“ benutzte. Hoffentlich geht es ihm bei diesem Thema um die Sache und nicht nur darum, den üblichen Verdächtigen Facebook und Google eins auf die Mütze zu hauen.

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