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Facebook-Gruppe : Markenrecht: Verwirrung um Kielbook

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verwechslungsgefahr? Der Gründer von Kielbook hatte sich den Namen als Wortmarke sichern lassen. Nun fordert Facebook die Löschung.

von
erstellt am 06.Jun.2015 | 03:30 Uhr

Kiel | Ein Aufschrei ging durch die Community, als bekannt wurde, dass der Gründer von Kielbook sich den Namen als Wortmarke gesichert hatte. Befürchtungen, die Facebook-Gruppe würde nun kostenpflichtig, die neuen Rechteinhaber würden Daten der Nutzer sammeln und vermarkten oder die vielen eigenständigen Gruppen wie Kielbook für Katzen würden nun verboten, machten die Runde. Zu unrecht, wie Kielbook-Gründer Oliver Heitmann erklärt: Schließlich stehe bei der Gruppe, in der inzwischen über 51.000 Mitglieder aus Kiel und Umgebung innerhalb des sozialen Netzwerks Facebook organisiert sind, der Gemeinschaftsgedanke im Mittelpunkt.

Doch Facebook sieht das wohl nicht ganz so locker: Im April – etwa ein halbes Jahr nach der Eintragung – flatterte bei Heitmann ein Schreiben auf den Tisch. In dem Brief fordert der US-Konzern, die Marke wieder zu löschen – zu groß sei die Verwechslungsgefahr mit den bereits gesicherten Begriffen „Facebook“ und „Book“. Eine Sicht, die Heitmann nicht teilt: „Die trauen uns ja echt was zu“, zieht einen Vergleich zwischen der mit 51.000 Mitgliedern eher klein wirkenden sozialen Mini-Plattform Kielbook und dem mit knapp 1,5 Milliarden Nutzern deutlich imposanteren Netzwerk-Riesen Facebook. Außerdem: Man habe nicht die Absicht, sich von Facebook zu emanzipieren. „Wir wollten uns ,Kielbook’ einfach sichern“, sagt Heitmann – bevor es ein anderer tut. „Wir sind das Original.“ Außerdem habe man vorab von Anwälten prüfen lassen, ob irgendwelche Rechte verletzt werden könnten. Die 500 Euro für den Vorgang habe man „mühsam über ein Jahr zusammengesammelt“, sagt Heitmann.

Die Finanzierung kam über kleinere Werbeeinnahmen, unter anderem durch die Vermarktung des Gruppenbanners (das ist der Platz, an dem eigentlich das Gruppenfoto steht) an kleinere Kieler Unternehmen zustande. Frei nach dem Motto: „Aus der Region für die Region“, erklärt Heitmann. Vermarktungstechnische Hintergründe hätten bei der Entscheidung für die Rechtesicherung jedoch keine Rolle gespielt. Die Gruppe sei von einem Non-Profit-Gedanken getrieben, und so solle es auch bleiben, sagt Heitmann – mit oder ohne Wortmarke.

Der Startschuss für „Kielbook“ fiel im November 2010 – zum Teil aus Eigennutz, wie Heitmann erzählt: „Ich bin auch kein gebürtiger Kieler.“ So habe er eine Plattform bieten wollen, auf der man Sportpartner finden oder Veranstaltungen teilen kann – mit dem Grundgedanken, Zugezogene und Ur-Kieler zu vernetzen, vorzugsweise Studenten. Was mit 33 Mitgliedern begann, wuchs so schnell, dass man zügig lernen musste, sich zu organisieren. Inzwischen sind acht Administratoren dafür verantwortlich, dass die Gruppenrichtlinien eingehalten werden. Viele Nutzer seien nur wegen Kielbook überhaupt zu Facebook gekommen, weiß Heitmann.

Bis zum 29. Juni hat Heitmann nun Zeit, der Forderung von Facebook zu widersprechen. Weitere Schritte würden jedoch wieder Geld kosten, das die Kielbooker so schnell nicht auftreiben können. Danach bliebe nur die Löschung.

Was genau hinter der vermeintlichen Abmahnung steckt, ist jedoch unklar. Auf sh:z-Nachfrage bei Facebook gibt es nach interner Prüfung des Falls offiziell folgende Stellungnahme: „Aktuell haben wir dazu keine Information vorliegen.“

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