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Such-Algorithmus : Maas fordert Googles Geheimformel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bundesjustizminister Heiko Maas möchte Google stärker regulieren. Eine Zerschlagung des Konzerns sieht der Minister als letzten Ausweg.

von
erstellt am 16.Sep.2014 | 18:44 Uhr

Erst im Juli dachte Bundesjustiz- und Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) öffentlich über eine Zerschlagung von Google nach. Jetzt fordert der Politiker die Offenlegung dessen, was für den Suchmaschinenkonzern als heilig gilt: dem Suchalgorithmus. In einem Interview mit der „Financial Times“ wünscht sich Maas von Google mehr Transparenz und konkret Einblick in die Mechanismen, nach denen das Unternehmen seine Suchergebnisse sortiert.

„Wenn eine Suchmaschine eine so große Auswirkung auf die wirtschaftliche Entwicklung hat, dann müssen wir uns mit dieser Angelegenheit beschäftigen“, begründete Maas seine Forderung. Sie dürfte in Mountain View, dem Sitz der Aktiengesellschaft, auf Unverständnis stoßen. Immerhin ist Googles Algorithmus auch das Geheimnis, das das Unternehmen groß gemacht hat.

„Es mag auf den ersten Blick einfach erscheinen, Algorithmen für jedermann zugänglich zu machen. Aber gleichzeitig würde ein solcher Schritt allen Spammern sowie Anbietern von schädlicher Software und minderwertigen Inhalten Tür und Tor öffnen, unser System zu kompromittieren“, sagte Kay Oberbeck, Sprecher für Google Nordeuropa unserer Zeitung. Das würde Googles Nutzern immensen Schaden zufügen, so Oberbeck. Er betont, dass Google schon jetzt sehr offen mit seinen Algorithmen umgeht, um beispielsweise Entwicklern von Internetseiten die Arbeit zu erleichtern.

Google steht schon länger im Gegenwind aus Europa. Die EU-Kommission spricht derzeit mit Google über weitere Zugeständnisse in einem bereits jahrelang andauernden Wettbewerbsverfahren. Das Verfahren wurde von verschiedenen Medienunternehmen und Wettbewerbern angestrengt. Ihr Vorwurf: Google benachteilige sie in seiner Suchmaschine. Die Suche sei so programmiert, dass Googles eigenen Produkte in der Rangliste immer an erster Stelle stünden, während Konkurrenzprodukte weiter hinten aufgelistet würden. Ein ähnliches Verfahren in den USA konnte diese Vorwürfe nicht bestätigen.

Im Mai sprach Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) in einem Gastbeitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sogar von einer Zerschlagung des Konzerns. Die Suchmaschine steht in Europa so gut wie ohne Konkurrenz da. Google hat einen Marktanteil von 95 Prozent – und damit eine Monopolstellung, die viele Politiker aber auch Unternehmer wie Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner kritisch sehen. Der Manager beklagte in einem offenen Brief an Google-Chef Eric Schmidt eine totale Abhängigkeit seines Unternehmens von Google und sprach von einer berechtigten Angst vor der Marktmacht des Konzerns.

Dieser besitzt mittlerweile nicht nur die größte Suchmaschine der Welt. Hinzu kommt Youtube die größte Video-Plattform, der erfolgreiche Browser Chrome, das am meisten verbreiteteste Betriebssystem für mobile Geräte Android, der Karten-Dienst Google Maps und den weltweit meistgenutzten E-Mail-Dienst Gmail.

Deutschland steht innerhalb der EU-Kritiker in der vordersten Reihe. Das zügellose Geschäftsgebaren von IT-Unternehmen aus Übersee wie der Taxi-Dienst Uber will die Politik hierzulande nicht ohne weiteres akzeptieren. Eine Zerschlagung Googles bezeichnete Maas in dem Interview mit der „Financial Times“ als „letzten Ausweg“. Ein vernünftiger Konsens sei für alle Beteiligten die sinnvollste Lösung, so Maas.

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