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Verdacht auf gefälschte Nutzerprofile : Lovoo: Abzocke mit Fake-Accounts auf Datingplattform?

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Hat die Datingplattform Profile weiblicher Nutzer kurzerhand selbst generiert? Das legen Dokumente nahe, die der Redaktion der Zeitschrift „c't“ zugespielt wurden. Das Dresdner Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2015 | 14:35 Uhr

Hannover/Dresden | Die Online-Datingplattform Lovoo hat laut einem Bericht der Fachzeitschrift „c't“ möglicherweise in großem Stil gefälschte weibliche Profile eingesetzt, das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück. Von angelockten Nutzern sollen zeitweise rund 5000 Euro täglich für bezahlpflichtige, aber vergebliche Kontaktversuche geflossen sein, berichtete die Zeitschrift am Freitag. Eine Lovoo-Sprecherin erklärte, die Anschuldigungen „beruhen auf zweifelhaften Dokumenten und Daten, die dem Magazin anonym zugespielt“ worden seien.

Lovoo ist ein soziales Netzwerk, das das Kennenlernen von Menschen aus der Umgebung ermöglicht. Über eine App wird mittels des eigenen Standortes das Hauptfeature „Liveradar“ befeuert. Es zeigt potentielle Kennenlernkandidaten im Umkreis an, mit denen man dann in Kontakt treten kann. Nach Angaben des Dresdner Unternehmens gibt es mehr als 30 Millionen Nutzer der App. Sie wird für die Plattformen Android und iOS angeboten.

Nach Angaben der „c't“ bekam die Redaktion unaufgefordert Dateien von einem anonymen Tippgeber, darunter angebliche E-Mails der Führungsriege der Plattform. Man habe „bislang keinerlei Hinweise auf eine Manipulation“ der mehr als 50 Gigabyte Daten entdeckt, berichtet das Magazin.

Stattdessen gebe es Hinweise auch im Programmcode, dass Benutzerprofile mit Fotos von Lovoo-Nutzern aus anderen Ländern sowie aus anderen Dating-Portalen erstellt worden seien und mittels Skripten wie echte Profile agiert hätten, schrieb „c't“. Einfache Profiltexte sollen aus gefundenen Textvorlagen automatisiert zusammengestellt worden sein. Eine E-Mail von Juni 2013 erwecke zudem den Eindruck, dass die Aktion unter dem Namen „Tu Gutes“ möglicherweise auch mit Beteiligung der Geschäftsführung erfolgt sei.

Die Redaktion habe nach Abschluss der Recherche die Unternehmensführung mit konkreten Fragen konfrontiert und auch auszugsweise belastendes Material vorgelegt, schreibt die „c't“.

Lovoo habe nicht konkret zu den Fragen Stellung genommen. Lovoo erklärte dagegen, dass das Unternehmen „mehrfach angeboten“ habe, „die entstandenen Fragen des Magazins in einem Pressegespräch zu beantworten“ und warf den Autoren mangelnde journalistische Sorgfalt vor.

Kurz nach Ende der Recherche wurde der „c't“ zufolge damit begonnen, „Profile in erheblichem Umfang von der Plattform zu entfernen“. Seit dem 12. September hätten die Testpersonen von „c't“ plötzlich jeweils „mehr als die Hälfte ihres Lovoo-Bekanntenkreises verloren“.

Erst vor wenigen Wochen war das Seitensprungportal Ashley Madison nach einem Hackerangriff auch noch wegen eines sehr ähnlichen Vorwurfs in die Kritik geraten. Dem Technologie-Blog „Gizmodo“ zufolge sollen dort mehr als 70 000 weibliche Fake-Profile männlichen Nutzern gefälschte Nachrichten geschickt haben, um die Seite attraktiv zu machen und sie zu kostenpflichtigen Antworten zu animieren. Ashley-Madison-Chef Noel Biderman trat wenig später zurück.

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