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Dreyklufts Netzwelt : Looking for Freedom

vom

In Berlin ist „Re:publica“: David Hasselhoff singt und Snowdens Vertraute Harrison fordert ein Menschenrecht zum „Whistleblowing“.

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2014 | 08:26 Uhr

Die Netzgemeinde trifft sich diesen Tagen  zu ihrem  alljährlichen Klassentreffen in Berlin. Es ist  „Re:publica“. Der Kongress mit gut 6000 Teilnehmern ist inzwischen der wichtigste zum Thema Internet in Deutschland. Hauptpunkte dieses Jahr: Sicherheit und Privatsphäre, Edward Snowden sei Dank.

Der kam aus bekannten Gründen nicht selbst. Ein Anbieter von Handy-Sicherheitssoftware ließ jemand anderen auflaufen: „The Hoff“, David Hasselhoff.  Der ist zwar 80er-Star, aber dennoch ein durchaus brauchbarer Protagonist für das Thema Privatsphäre, denn er, so beklagte er auch gestern, sei  einst Opfer geworden, als ein Bild von ihm im alkoholisierten Zustand massenhaft im Netz verbreitet wurde.

Das „Interview“ mit dem Technikchef der finnischen Sicherheitsfirma verkommt dann zu einer ziemlich schmierigen Reklameshow. Ein  Teil verlässt entsetzt die Halle, ein Teil schaut neugierig zu, und der Rest singt fröhlich mit, als Hasselhoff endlich „Looking for Freedom“ singt.  Cool ist diese Szene nicht, erst recht nicht auf der „Re:publica“.

Inhaltlicher Höhepunkt des Tages ist der Auftritt der  Wikileaks-Aktivistin und Edward-Snowden-Vertrauten Sarah Harrison, die ihn auf der Flucht nach Moskau begleitete.  Eine beeindruckende Frau, die inzwischen in Berlin lebt und mit Verhör und Verhaftung rechnen muss, falls sie in ihr Heimatland Großbritannien zurückkehren würde. Harrison forderte ein Menschenrecht darauf, wie Snowden Regierungsinformationen verraten zu dürfen, im Jargon „Whistleblowing“ genannt. Das fand viel Zustimmung, auch meine.

Etwas naiv wirkte die mutige Frau dagegen mit ihrer immer noch nicht gestorbenen Hoffnung, Deutschland könne Snowden Asyl anbieten. Zwei Monate Zeit hätten wir Deutschen noch, unsere Regierung umzustimmen, meinte sie total ernst. 

Und hat wohl gar nicht so recht verstanden, dass gerade jener Wladimir Putin, der Sowden Asyl gewährt,  mit seiner Ukraine-Politik dafür sorgt, dass sich die Regierung von Angela Merkel gerade ganz bestimmt nicht mit den USA anlegt. Oder, wie  Hasselhoff es gestern ausdrückte:  Snowden sei ein „zweischneidiges Schwert“.

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