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Bürgerplattform : „lokalportal.de“ – Auf gute Nachbarschaft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In dem sozialen Netzwerk sollen sich Bürger treffen, die auch im echten Leben Tür an Tür wohnen.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2015 | 08:36 Uhr

Kiel | So richtig müde sehen die beiden eigentlich gar nicht aus. Dabei waren die letzten Monate für die Kieler Studenten Justin Hallauer und Sebastian Penthin nicht nur aufregend, sondern auch sehr anstrengend. Denn auf den heutigen Tag haben sie hingearbeitet: Ab sofort können Nutzer aus jeder Ecke Schleswig-Holsteins ihr Nachbarschaftsnetzwerk lokalportal.de mit Leben füllen. „Wir werden sehen, ob das, was wir uns in unserem kleinen Kämmerlein so gedacht haben, auch wirklich passiert“, zeigt sich Penthin gespannt.

Was passieren soll: Die Macher hoffen darauf, dass sich auf der Plattform Bürger treffen, die auch im echten Leben Tür an Tür wohnen – und sich manchmal gar nicht kennen. „Die Anonymität in der Nachbarschaft wird aufgehoben“, erklärt Penthin. Und das ausgerechnet im Internet, wo doch eigentlich jeder weitgehend unerkannt bleiben kann. Doch das Lokalportal funktioniert anders, sagt Hallauer. Auch hier könne man zwar unter Pseudonym agieren, doch: „Wir wollen die echte Welt auf zeitgemäße Art und Weise abbilden.“ Hier sollen sich Leute versammeln, sich mit ihren Nachbarn aus dem richtigen Leben auf der Plattform vernetzen, sich austauschen und einander helfen.

Seit Oktober 2014 arbeitet das Team an seiner Vision des nachbarschaftlichen Miteinanders in den Weiten des Internet. Seitdem sind die Macher damit beschäftigt, das Netzwerk zu verbessern, Funktionen aufzustocken und es mit Inhalten zu füllen. Dabei helfen ihnen neben den Bürgern, die eigene Anliegen in ihrer Nachbarschaft posten können, auch Ämter und Behörden mit Informationen wie Öffnungszeiten oder Ankündigungen, aber auch der Bäcker von nebenan, der kurz vor Ladenschluss auf Kuchen- oder Brötchenreste hinweist. Über redaktionelle Inhalte des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages können sich Nutzer über die Nachrichten aus ihrer Gemeinde informieren.

Das Ziel der Lokalportal-Erfinder ist es, künftig auch Vereine zu integrieren. Sind einmal alle Akteure aus dem echten Leben im Lokalportal vereint, müssten die inzwischen landesweit 2200 privaten Nutzer sich nicht mehr alle Infos im Netz zusammensuchen, sondern fänden das Gemeindeleben komplett ins Netz übertragen. Außerdem ließen sich lokale Infos aus dem nächsten Umkreis, wie ein Garagenflohmarkt, selten ergoogeln, sagen Hallauer und Penthin. Und das soll auch bei Lokalportal-Inhalten so bleiben. Nutzer müssten keine Angst haben, wo ein geposteter Beitrag schließlich lande – sie könnten exakt eingrenzen, in welchem Umkreis ihr Post zu finden sei – das können mal auch nur 500 Meter um ihr eigenes Zuhause sein. Die Nachbarschaft haben die Entwickler auf 20 Kilometer rund um den Wohnort definiert, jeder Nutzer könne diesen voreingestellten Radius aber nach seinem eigenen Empfinden ändern.

Damit sich die Menschen in diesem beschaulichen Miteinander nicht nur gut informiert, sondern auch wohl fühlen, achte man besonders auf Transparenz: „Wir wollen ein nettes Miteinander erhalten“, auch mit steigender Nutzerzahl, sagt Penthin. Deshalb werde auch jede Beschwerde über Beiträge, Kommentare oder andere Nutzer vom Team geprüft und sowohl Löschung als auch Nicht-Löschung beantwortet. „Die Plattform schläft nie“, sagt Hallauer, und meint damit das Zusammenspiel von Nutzern, die rund um die Uhr posten können, und dem Team, das hinter dem Netzwerk steht, stetig an der Software arbeitet oder über neuen Ideen brütet. „Wir sind noch am Anfang“, sagen die Studenten. Auch wenn sie mit lokalportal.de andere Ziele verfolgen, als weltweit agierende Unternehmen mit ihren Produkten – sie werden an den Großen gemessen. „Die Leute sind Ebay Kleinanzeigen oder Facebook gewohnt“, sagt Hallauer. Auch wenn man sich noch in der Testphase befinde – „die Plattform steht jetzt auf stabilen Beinen.“ Ende dieses Jahres soll lokalportal.de dann ganz rund sein. „Wir wachsen an den Nutzern“, sagt Hallauer. Denn neben den notwendigen Inhalten tragen sie auch Verbesserungsvorschläge zur Entwicklung des Portals bei. Mitmachen kann jeder – von jung bis alt. „Wir sind gespannt“, sagt Penthin. „Ich freue mich auf jeden Nachbarn.“

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