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Dreyklufts Netzwelt : Lehren aus dem Internet Explorer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Microsoft-Browser zeigt, dass Schlampigkeit bei der Sicherheit auch Monopolisten aus dem Markt wirft.

von
erstellt am 12.Jan.2016 | 17:30 Uhr

Aus Sicht des Jahres 2003 war Dienstag ein historischer Tag. Aus heutiger Sicht zeigt der Rückblick, wie schnell sich das Internet bewegt, wie schnell Dinge entstehen, aber auch verschwinden, die wir für unumstößlich halten.

Was ist geschehen? Microsoft hat am Dienstag defacto den Internet Explorer (IE) beerdigt. Bis zur Version 10 gibt es keine Unterstützung mehr und keine Sicherheits-Updates. Version 11 wird noch eher halbherzig weiter betrieben, Grund sind vor allem Unternehmenskunden, die den IE weiter einsetzen wollen (oder müssen, weil betriebskritische Systeme nur darauf laufen).

Blick zurück ins Jahr 2003: Microsoft hatte den sogenannten Browserkrieg gegen Mozilla gewonnen. Der IE hatte 90 Prozent Marktanteil. Viel Geld, viel Marktmacht durch das Windows-Betriebssystem. Microsoft schien unbesiegbar.

Dann wurde Microsoft schlampig, das Entwicklerteam geschrumpft, der IE berüchtigt für Sicherheitslücken. Die Angst davor trieb in den folgenden Jahren immer mehr Nutzer in andere Browser. Mozilla brachte den Firefox, Google den Chrome, Apple den Safari. Heute surfen rund 30 Prozent der Nutzer von shz.de mit Firefox, fast ebenso viele mit Chrome, 18 Prozent mit Safari, nur noch zehn Prozent mit IE. Nächsten Monat, darauf wette ich, wird diese Zahl einstellig.

Was lehrt uns das? Unendlich viel Geld und unendlich viel Marktmacht helfen nicht, wenn die Nutzer das Vertrauen in die Sicherheit verlieren. Das Internet ist zu agil, als dass es nicht immer eine Alternative gibt, und erscheine sie noch so abwegig. Der Internet Explorer ist eine Mahnung an Facebook und Google, elementare Nutzerbedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren. Sonst werden aus 90 Prozent Marktanteil in wenigen Jahren zehn und weniger.

Was heißt das für IE-Nutzer? Wenn Sie ein Unternehmen haben und den IE wirklich brauchen: Microsoft bietet einen IE 11 mit „Enterprise Mode“. Ansonsten, oder wenn Sie Privatnutzer sind: Verzichten Sie auf den IE. Sie brauchen ihn nicht. Es gibt bessere Alternativen.

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