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Voss’ Netzwelt : Kunde oder Produkt?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Viele Nutzer bekommen Windows 10 umsonst – und müssen doch bezahlen.

Kostenlos!! Microsoft verschenkt seit einigen Tagen das Update auf Windows 10. Und ich wundere mich, warum da niemand stutzig wird, wenn ein Unternehmen sein bekanntestes Produkt verschenkt. Dabei heißt es doch: „Wenn Du nicht der Kunde bist, dann bist Du das Produkt“ – der Spruch fällt in jeder Diskussion über den Datenschutz bei Facebook. Trotzdem scheint immer noch kaum jemand zweimal hinzuschauen, wenn es etwas umsonst gibt.

Ich bin langjähriger Linux-Nutzer. Da gibt es alle sechs Monate ein kostenloses Update. Das haut mich nicht mehr vom Hocker. Allerdings ist das freie Software, da weiß ich, warum die kostenlos sein kann. Windows hat bisher richtig viel Geld gekostet.

Ja, ich habe noch eine Partition mit Windows. Zum Spielen. Das geht unter Linux noch nicht so gut. Deswegen habe ich überlegt, dieses Windows-Update zu installieren. Allerdings bin ich noch mit einer gewissen Microsoft-Skepsis aufgewachsen. Vor Google, Facebook und Apple – in meiner Jugend – war Microsoft die Datenkrake. Deswegen wollte ich mir erst einmal anlesen, was es denn Neues bei Windows gibt. Ich wurde nicht enttäuscht: Im Kern scheint neu zu sein, dass es das alte Startmenü aus Windows 7 wieder gibt, und es gibt neue Nutzungsbedingungen – 45 DIN-A4-Seiten.

Die neuen Nutzungsbedingungen räumen Microsoft so eine Art Universalvollmacht für den Umgang mit den Daten auf meinem Rechner ein. Dagegen ist die Vorratsdatenspeicherung ein Fliegenschiss: Web­Cam, Mikrofon, Standortdaten, Browser-Historie, E-Mails, SMS. Alles natürlich nur zur Qualitätssicherung.

Man kann die Einstellungen zwar weitestgehend nachträglich wieder abschalten. Mittlerweile gibt es kleine Tools, die das automatisiert machen. Das ändert aber nichts daran, dass man die Rechte an Microsoft abtreten muss.

> Steffen Voß ist Blogger aus Kiel.

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