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Maas’ Netzwelt : Kosenamen für die Handy-Hülle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vermenschlichung kann der Mensch-Handy-Beziehung guttun, meint unsere Kolumnistin.

„Och, wie süß“, sagen viele Leute, wenn Sie Erwin zum ersten Mal sehen. Dabei könnte er mal wieder ein Bad vertragen, ihm fehlt ein Knopf-Auge und sein petrolfarbenes Frotteefell ist durch die Strapazen der letzten Jahre ganz schön abgewetzt. Erwin ist ein Stoffmonster – er begleitet mich täglich, auch zu beruflichen Terminen. Erwin schützt mein Smartphone.

Dass Handy-Hüllen mit Gesicht besser für mich, mein Telefon und unsere Beziehung sind, habe ich schon vor Jahren begriffen. Frühere Handys stürzten zu Tode oder ertranken. Auf mein Smartphone passt Erwin auf. Und auf etwas, das Augen hat, achte ich einfach mehr als auf ein Häufchen Metall und Glas.

Ich pflege jedenfalls meine parasoziale Interaktion mit dem Smartphone. Und ich bin damit nicht allein. Der Blogger Johnny Häusler belauschte im Bus eine junge Frau dabei, wie sie ihr Telefon „Smarty“ nannte – und schrieb einen Text für das Magazin Wired: „Könnte das (…) ein Zeichen der Vereinsamung einer ganzen digitalen Generation sein, die als Reaktion auf rein digitale Bekanntschaften dazu übergegangen ist, Technologien wie Freunde zu behandeln?“ Kosenamen für Handys – wo kommen wir denn da hin? In ein schöneres Leben. Schließlich wussten große Mädchen schon vor Jahrzehnten, dass Autos besser fahren, wenn man ihnen Namen gibt. In unseren Herzen ist genug Platz – für Freunde aus Fleisch und aus Metall.
 

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erstellt am 20.Okt.2015 | 11:24 Uhr

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