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Christiansens Netzwelt : Konflikte aus dem Baukasten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Teilen ist ja eine nette Geste – beim Datenvolumen hört der Spaß aber auf.

von
erstellt am 21.Okt.2015 | 13:21 Uhr

Salz, Scheuermilch oder der Festnetz-Anschluss inklusive WLan – hier ist Teilen in Wohngemeinschaften gern gesehen. Meist werden so ja nicht nur damit verbundene Aufgaben wie Putzen auf mehrere Schultern verteilt, sondern auch die Kosten. Wenn das nicht fair funktioniert, gibt es viele Methoden, so etwas zu regeln: Von „Wer es leer macht, kauft nach“ bis hin zu akribischen Aufzeichnungen, wer wann was zuletzt besorgt, geputzt oder gekocht hat. Dann zählt „Ich war das nicht“ schlichtweg nicht mehr. Ohnehin eine schwer nachzuprüfende und sehr nervige Ausrede.

Auch beim mobilen Surfen kann „Ich war das nicht“ den Partner, die Familie oder die Mitbewohner zur Weißglut treiben: Bei Vodafone sowie Saturn und Mediamarkt sollen Kunden sich unter den Namen „Red+“ oder „Super Select“ ihren Traum-Tarif aus verschiedenen Bauteilen zusammensetzen.

Ich stelle mir das Ganze schwierig vor – schon mit dem Versuch, sich auf ein passendes Datenvolumen zu einigen, könnten Ehen in die Krise gestürzt werden. („Wofür brauchst Du denn 250 zusätzliche MB? Du surfst doch sowieso schon so viel.“) Spätestens wenn der – von allen Seiten abgesegnete – Datenumfang aufgebraucht ist (je nach Tarif ist dies eine berechtigte Sorge), wird mit Vorwürfen um sich geschmissen, den Kindern Internet-Verbot erteilt und die Wohngemeinschafts-Lebensphase zugunsten eines klassischen Erwachsenenlebens mit eigener Wohnung und eigenem Telefontarif aufgekündigt. Es dauert dann bis zum Monatsanfang, bis die volle Geschwindigkeit – und der gerade Haussegen – wieder verfügbar ist. Bis dahin wird im Schneckentempo gesurft und auf den anderen geschimpft.

Doch hierin kann ein Vorteil liegen: Vielleicht ist es ja mal ganz schön, nicht selbst dafür verantwortlich zu sein, den Großteil des schnellen Netzes für Unnötiges verdaddelt zu haben, sondern die Schuld woanders zu suchen.

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