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Dreyklufts Netzwelt : Kommt zu Facebook! Geht weg von Facebook!

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Aus der Onlineredaktion

Facebook löst sich von einem alten Dogma und zeigt strategische Flexibilität, meint unser Kolumnist Joachim Dreykluft.

Facebook und Google waren einst strategische Antipoden. Ziel von Facebook war es, die Nutzer möglichst lange im eigenen Universum zu halten. Google wollte die Leute in die Weite des Internets schicken, natürlich mit den eigenen Diensten als Wegweiser.

Google hat die Suchergebnisse inzwischen so verändert, dass sie mehr sind als nur Suchergebnisse. Googlen Sie mal etwa nach Angela Merkel. Ohne einen weiteren Klick erfahren Sie alles Mögliche über die Kanzlerin, einschließlich ihrer Körpergröße.

Facebook dagegen zeigt sich stolz, dass der „Outbound Traffic“, also die Zahl der Klicks, die aus dem Netzwerk herausführen, massiv ansteigt, vor allem zu Medienangeboten. Bei einem Termin in der neuen Deutschland-Zentrale in der Hamburger Innenstadt gab es Anfang der Woche die Möglichkeit, Andy Mitchell Fragen zu stellen. Er ist der Chef der Einheit bei Facebook, die weltweit Medien- und andere Partner betreut. Ich fragte ihn, ob es aus seiner Sicht ein Fehler oder ein Feature sei, dass so viele Facebook-Nutzer auf Links klicken, die sie weg auf andere Angebote führen. Natürlich sei das ein Feature, sagte er.

Jürgen Todenhöfers Präsenz bei Facebook
Jürgen Todenhöfers Präsenz bei Facebook Foto: Screenshot

Aus meiner Sicht ist das nur die halbe Wahrheit. Denn Facebook freut sich über jeden Journalisten, der nicht auf die eigene Site verlinkt, sondern gleich seinen gesamten Inhalt auf Facebook veröffentlicht. Als Beispiel nannte Mitchell Jürgen Todenhöfer, der zwar noch eine eigene Website hat, Facebook aber als seinen eigentlichen Kanal nutzt und dort viel größere Reichweiten erzielt. Allerdings ist Todenhöfer auch ausreichend vermögend (er war über 20 Jahre lang Vorstandsmitglied beim Medienkonzern Burda), um mit seinem Journalismus kein Geld mehr verdienen zu müssen und den Inhalt Facebook schenken zu können.

Mein Fazit des Besuchs bei Facebook: Totgesagte leben länger. Mark Zuckerbergs Firma rückt von alten Dogmen ab, bleibt ihrem Ziel aber treu, die eigene Plattform so attraktiv zu machen, dass der Rest des Internets nicht mehr gebraucht wird.

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erstellt am 14.Apr.2015 | 16:52 Uhr

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