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Nagars Netzwelt : Kommentare aus dem Trollhaus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kommentarforen und Soziale Medien ertrinken in Motz-Kommentaren. Das nervt!

von
erstellt am 19.Jun.2015 | 10:16 Uhr

Es soll ja Leute geben, die lesen Texte oder Facebook-Beiträge nur für die Kommentare. Das Gemotze und Gekeile hat offenbar einen unglaublichen Unterhaltungswert, der nahezu komplett die Nachmittags-Talkshows ersetzt hat. Doch statt Vaterschaftstests nach der Werbepause gibt es nunmehr Pöbeleien südlich der Gürtellinie, Hetze, Stunk und wirre Verschwörungstheorien. Nach dem Motto: Wer am meisten stänkert, wird beachtet.

Da gibt es den Aufmerksamkeits-Troll, der einfach so dreist wie möglich provoziert und beleidigt, um wenigstens im Onlineforum bemerkt zu werden (wenn es schon im echten Leben nicht klappt). So etwa neulich bei Youtube: „Diese Musik ist scheiße, alle die sie hören sind Idioten!!!“ Dann gibt es den Thesen-Troll, der seinen Standard-Motz loswerden muss. Dazu reicht auch nur der geringste inhaltliche Bezug, damit – dem pawlowschen Effekt nicht unähnlich – der Troll seine Schimpftirade triggert. So etwa beim Thema Urlaub in Dänemark auf Facebook: „Nie wieder Urlaub bei den Hundehassern! Boykott!!!“ Es gibt den Tipp-Tourette-Troll, der in Sachen Gossensprache an verbaler Inkontinenz leidet. Und dann gibt es den Missions-Troll, der die Netzgemeinde bekehren möchte – meist von einer mehr oder weniger kruden politischen Ansicht.

Es soll wie gesagt Leute geben, die sich das mit der Faszination eines Unfallgaffers reinziehen und vor dem Lesen schon das Popcorn bereit gestellt haben. Warum auch immer, vielleicht ist es dieses leichte Kribbeln der Provokation. Bloße Streitlust. Die Lust am Ekel, so wie Vogelspinnen-Streicheln.

Ich persönlich kann’s nicht mehr lesen. Und da hilft auch der Grundsatz, die Trolle mit Nichtbeachtung zu strafen, nicht weiter. Trolle soll man nicht füttern, heißt es. Aber muss man sie dennoch andauernd ertragen? Die miese Stimmung hat das Internet komplett übernommen, da kommt man nicht einmal mehr mit Flausch-Fotos und Katzen-Content gegenan. Oder sollte man es doch noch mit sachlichen Argumenten versuchen? Die Antwort des typischen Trolls wäre dazu: Mimimimi.

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