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Voss’ Netzwelt : Knipsen für die Wissenschaft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Qualität ist schlecht, angesehen werden sie nie wieder. Aber Handyfotos vom Konzert könnten auch nutzen.

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2017 | 16:48 Uhr

Die Fotos werde ich mir nie wieder anschauen. Sehr wahrscheinlich jedenfalls. Eigentlich war mir das schon klar, als ich sie gemacht habe:
Ich hatte mir vorgenommen das Foo Fighters Konzert einfach nur zu genießen. Die riesige Halle, die vielen feiernden Fans, die laute Musik und die Show. Ich wollte versuchen, nicht die ganze Zeit mit dem Handy Fotos zu machen, die ich mir ohnehin nie wieder anschaue.

Trotzdem habe ich bestimmt 50 Fotos gemacht, die ich mir nie wieder anschaue, und die ich auch niemandem zeige, denn auf den meisten kann man ohnehin nichts erkennen. Erst war die Band super weit weg, dann ist Sänger Dave Grohl den Steg quer durch die Halle auf die kleine Bühne am anderen Ende gerannt. Auf den Fotos ist er erst sehr klein, dann verschwommen und dann von hinten zu sehen. Das hätte ich mir echt sparen können.

Im Fernsehen gibt es manchmal spät abends alte Aufnahmen von Konzerten aus den 80ern. Auch da sind die Stadien voller begeisterter Leute. Die aber klatschen wahlweise oder sie recken Feuerzeuge in die Luft. Auf jeden Fall scheinen sie mehr dabei zu sein, als die Massen heute, die ständig versuchen mit der untauglichen Ausstattung ihrer Handys Fotos zu machen.

Für diese Kolumne schaue ich mir die Fotos doch noch einmal an. Alles ist so, wie ich es in Erinnerung habe. Insofern sind sie wirklich überflüssig. Aber vielleicht sind sie nicht für mich gedacht. Vielleicht finden Volkskundler die Fotos irgendwann mal auf einer alten Festplatte und staunen, was das für ein cooler Mensch gewesen sein muss, der diese abgefahrenen Fotos aus der Frühzeit der digitalen Fotografie aufgehoben hat.

Vielleicht sollte ich nicht so kleingeistig sein. Ich darf nicht nur an mich und meine persönliche Unterhaltung denken. Ich muss auch daran denken, dass zukünftige Generationen unser Leben irgendwie rekonstruieren müssen. Dazu werden meine Schnappschüsse einen wichtigen Beitrag liefern. Für mich ist klar: Ich werde dieses Opfer für die Wissenschaft auch in Zukunft erbringen.

> Steffen Voß ist Blogger aus Kiel.

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