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Nagars Netzwelt : Klick den Kondor

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wie man spielend der Wissenschaft helfen kann.

In grauer Vorzeit, so etwa in den 1990ern, gehörte es zum festen Bestandteil der Büroarbeit, Moorhühner zu jagen. Das Spiel mit den ebenso flatterhaften wie niedlichen Zielscheiben kursierte – damals noch per Email – von Schreibtisch zu Schreibtisch und machte den Standard-Pausenfüllern „Solitär“ und „Minesweeper“ kulleräugige Konkurrenz. Offenbar haben die Moorhühner aber schon seit Jahren Schonfrist. Zunächst wurden die Büropausen lieber mit virtueller Felderwirtschaft in „Farmville“ gefüllt, mittlerweile klicken sich viele lieber durch zuckrige Leckereien in „Candy Crush“.

Ob „Klick den Kondor“ da mithalten kann? Zugegeben, die Bilder sind weniger farbenfroh. Und es mangelt an Highscores und Animationen. Doch das Vögelzählen hat einen weiteren Sinn als die diffuse Distraktion. Es dient der Wissenschaft. Man bekommt Bilder von Webcams aus Kalifornien angezeigt, auf denen sich Aasvögel um Kadaver scharen wie Mitarbeiter um den Naschteller. Jetzt geht es darum, die Vögel mit der Maus zu markieren und eventuell sogar die Marke abzulesen. Auch kann man schauen, ob andere Tiere wie Raben sich in der Nähe befinden. Damit hilft man Biologen, das Verhalten der Geier auszuwerten. Denn die Menge der Daten ist zu groß, als dass das Heer der kalifornischen Hiwis damit klarkäme.
Wer die Aasvögel satt hat, kann sich auch mit klitzekleinen Würmern beschäftigen, auf Pinguinfotos aus der Antarktis Küken und Eier markieren oder im Weltraum nach Sternhaufen oder der Mondoberfläche forschen. Es wäre doch schön, wenn der menschliche Spieltrieb der Vermessung der Welt zugute kommen würde.

Immerhin: Mehr als eine Million Hobbywissenschaftler machen bereits mit bei Zooniverse.org, das verschiedene Projekte zusammenfasst – vom Mikro- bis zum Makrokosmos. Leider lässt sich Soziologie nicht auf diese Weise ausarbeiten. Mich würde sonst das Gedankenpausenverhalten der Spezies homo sapiens officium brennend interessieren.
 

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erstellt am 06.Feb.2015 | 07:30 Uhr

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