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Christiansens Netzwelt : Kleine Tricks – große Wirkung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Staatliche Überwachung nimmt immer neue Ausmaße an. Doch es gibt Abhilfe – ganz analog.

von
erstellt am 07.Dez.2016 | 19:07 Uhr

Tricksen gehört zum Handwerk: Mit Strumpfhosen, die den Bauch flachdrücken, blenden wir unsere Mitmenschen (und uns selbst), und mit dem Tor-Browser oder dem ein oder anderen Add-on für Firefox & Co versuchen wir, unsere Verfolger in der digitalen Welt in die Irre zu führen. Hinter den kleinen Kniffen steckt keine böse Absicht; es geht darum, sich selbst zu schützen – vor dem prüfenden Blick der Großtante ebenso wie vor der Datengier von Facebook & Co. All dies ist ein alter Hut, all dies betrifft unsere Privatsphäre. Und als wäre die nicht schon genug unter Beschuss, plant Bundesinnenminister Thomas de Maizière, die Videoüberwachung auszuweiten und intelligente Software zur automatisierten Auswertung der Bilder einzusetzen. Auch in den USA stehen nach der Präsidenten-Wahl die Zeichen nicht gerade pro Anonymität.

Zwei Unternehmer aus Chicago wittern ein neues Geschäftsmodell: Sie wollen den Menschen auf der Straße ein Werkzeug an die Hand geben, mit dem sie sich anonym in der analogen Welt bewegen können, ohne dass sie irgendwelche brauchbaren Spuren auf den Aufnahmen von Überwachungskameras hinterlassen. Um das menschliche Auge ebenso wie Gesichtserkennungssoftware auszutricksen, braucht es keine Programmierkenntnisse und keine Hacking-Skills, eine Brille auf der Nase soll reichen. Die „Reflectables“ sind mit Reflektoren ausgestattet, die sowohl das sichtbare als auch – je nach Modell – Infrarotlicht zurückspiegeln und die Gesichtszüge des Trägers auf den Aufnahmen überblenden. Die Macher suchen aktuell auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter nach Unterstützern.

 

Übertrieben? Naja – dass der Satz „Ich habe ja nichts zu verbergen“ nicht mehr gilt, sollte eigentlich nicht mehr erwähnt werden müssen. Auch, dass die gesammelten Daten in den seltensten Fällen ausschließlich bei denen landen, die es gut mit uns meinen, dürfte nicht mehr überraschen. Einzig die Zahl der Maßnahmen und Produkte, mit denen wir unsere Grundrechte verteidigen sollen, macht nachdenklich: Sollte nicht eigentlich der Staat uns vor solchen Eingriffen bewahren, statt sie selbst auszuführen?

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