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„Godspots“ in Berlin und Brandenburg : Kirchen mit WLan - Postillon-Satire wird wahr

vom
Aus der Onlineredaktion

In Berlin und Brandenburg können Kirchenbesucher kostenlos im Internet surfen. Gläubige im Norden warten noch.

<p>Anna-Kathrin Gellner</p> von
erstellt am 19.Mai.2016 | 16:04 Uhr

Kiel/Hamburg/Berlin | In Kirchen suchen die Leute nach einer Verbindung zu Gott - bald können sie sich dort auch mit dem Internet verbinden. Und damit nicht mehr nur analog nach oben, sondern auch digital nach draußen kommunizieren: „Godspots“ sollen Kirchenbesuchern zumindest in vielen evangelischen Kirchen in Berlin und Brandenburg WLan bieten – kostenlos und sogar über den Kirchraum hinaus.

Damit wird das Realität, was die Satireseite „Der Postillon“ bereits 2011 vorschlug, um leere Kirchenbänke zu füllen. In einer Stunde Gottesdienst eine Stunde offline zu sein – eine Zumutung für die jungen Gemeindemitglieder ohne Surfstick, schrieb der Postillon damals, natürlich nicht ohne Augenzwinkern. Und er spann weiter: Mit WLan „könnten junge Gläubige mit Live-Twitter-Nachrichten wie ,OMFG! Sitze grad in der Kirche. Der Priester ist zwar ein n00b^^, dafür riechts hier voll nach Weihrauch' oder Facebook-Statusmeldungen wie ,LMFAO. Daniel in der Löwengrube ist ja sooo AT :-D' auch Altersgenossen außerhalb der Kirche neugierig auf das Wort Gottes machen“.

„Godspot“ statt Hotspot: So wirbt die Kirche für ihr neues freies WLan.
„Godspot“ statt Hotspot: So wirbt die Kirche für ihr neues freies WLan. Foto: Screenshot godspot.de
 

Da wären wir nun. Doch was ist mit den Zeiten der analogen Spiritualität, wenn möglicherweise die gesamte Gemeinde nicht mehr nach vorn zum Altar, sondern nur noch runter aufs Smartphone schaut?

Die Kirchenleitung hat da keine Angst. „Menschen sind nicht weniger spirituell als früher. Aber die Orte der Kommunikation haben sich verschoben, vieles findet in digitalen sozialen Netzwerken und Communitys statt“, sagt IT-Leiter Fabian Kraetschmer. Jetzt wolle man als Evangelische Kirche mit „Godspot“ eine „sichere und vertraute Heimstatt in der digitalen Welt bauen“.

Nicht nur die Besucher, sondern auch die Passanten können sich schon bald in 220 Kirchen ins WLan einwählen, bis zum Kirchentag 2017 soll es das Angebot sogar in allen Kirchen und kirchlichen Gebäuden in Berlin und Brandenburg geben. Eine Registrierung oder Anmeldung ist laut Kirchenleitung nicht notwendig. Aber: Zunächst kommen die Besucher auf eine Landing-Page, die Infos zur Gemeinde, zum Gebäude und zum Glauben parat hält. Von dort aus können sie sich dann weiter im Netz bewegen. Ganz ohne Hintergedanken ist die Internet-Offensive also offenbar nicht.

Freies WLan - etwa auch für die Gotteshäuser in Schleswig-Holstein? Das klingt tatsächlich zu schön, um wahr zu sein. Aber vielleicht nicht mehr lange. Denn immerhin, das bestätigt Sprecher Frank Zabel auf Anfrage von shz.de, sei die Nordkirche mit der EKBO (Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz) im Gespräch über das „spannende Projekt“. „Wir werden uns über die Entwicklung weiter informieren.“

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