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Rechtliche Grauzone : Kinox.to & Co.: Was Streaming-Nutzern droht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach den Betreibern des Online-Streaming-Portals Kinox.to wird gefahndet. Doch ist es legal, sie zu nutzen? Oder verletzen die User das Urheberrecht?

Der neueste Blockbuster, die aktuelle Folge der Lieblingsserie: Streaming-Seiten im Netz wie beispielsweise Kinox.to sind verführerisch. Häufig verstoßen jedoch Teile ihres Angebots gegen das Urheberrecht, die Betreiber machen sich strafbar. Nutzer von Streaming-Seiten befinden sich in einer rechtlichen Grauzone.

Schauen sie sich dort etwa illegal bereitgestellte Filme an, stellt sich die Frage, ob die Nutzer sich des Raubkopierens schuldig machen. Ob eine Abmahnung Bestand hätte, kommt beispielsweise darauf an, ob eine Kopie des Films auf dem Rechner des Nutzers abgelegt wurde. „Beim Streaming findet in der Regel kein Kopieren auf die Festplatte des Nutzers statt“, beruhigt der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke. Allerdings gebe es andere Juristen, die sagten, beim Streaming entstehe eine flüchtige Kopie im Arbeitsspeicher. „Eine höchstrichterliche Entscheidung dazu steht noch aus.“ Solange Streaming-Nutzer also nur gucken, können sie eventuell noch nicht dafür belangt werden.

Anders sieht es aus, wenn das Angebot heruntergeladen wird. Zwar habe man das Recht auf eine Privatkopie – aber nur sofern die Quelle nicht offensichtlich illegal ist, wie es aktuell zum Beispiel bei Kinox.to der Fall wäre. Werden auf einer Seite alle neuen Kinofilme angeboten, sollten Nutzer daher besser die Finger von der Privatkopie lassen. „Dann muss auch der Dümmste stutzig werden“, sagt Solmecke.

Ein anderes Problem besteht, wenn der Nutzer das Streaming-Angebot weitergibt – selbst wenn er das unwissentlich tut. „Aufpassen muss man bei der Streamingtechnologie, die man benutzt“, warnt Solmecke. Denn für manche Streaming-Seiten installierten Nutzer eine kleine Software: Während sie gucken, geben sie im Hintergrund gleichzeitig die Daten weiter, wie in einer Tauschbörse. Weil sie damit die Inhalte vervielfältigen, verletzen sie das Urheberrecht. Eine bekannte Seite, die diese Technologie nutzt, ist Popcorn Time, gibt Solmecke ein Beispiel. Skeptisch werden sollten Nutzer also immer dann, wenn sie eine Zusatzsoftware installieren müssen. Insbesondere bei Bundesliga-Streams bedienten sich Webseiten häufig dieser Peer-to-Peer-Technik, weil es ein Live-Angebot sei, auf das viele gleichzeitig zugreifen wollen, warnt Solmecke.

Film-Portale wie Kinox.to funktionieren nach einem ausgeklügelten Modell: Statt Filme zum Herunterladen anzubieten, werden sie als sogenannte Streams direkt aus dem Internet abgespielt. Zum anderen erklären die Portale, sie zeigten nur ein Verzeichnis von fremden Links an und stellten die Inhalte nicht selber bereit. Die Server stehen meist außerhalb Europas in Ländern mit lascher Internet-Aufsicht. Geld wird über Werbung auf der Website verdient. Im Fall des 2011 aufgeflogenen Vorgängers Kino.to sollen in drei Jahren mehrere Millionen Euro zusammengekommen sein. Die Betreiber wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Obwohl die Behörden nach den Betreibern des Film-Portals kinox.to fahnden, bleibt es vorerst wohl online. Die Seite verlinkt laut Staatsanwaltschaft auf mehr als 1,3 Millionen raubkopierte Medieninhalte wie etwa aktuelle Kinofilme.

 

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erstellt am 28.Okt.2014 | 09:20 Uhr

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