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Festnahme in den USA : Kinderpornografie: Google prüft E-Mail-Konten

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Der Software-Konzern Google scannt die E-Mails seiner Nutzer automatisch nach kinderpornografischem Material. Datenschützer äußern Bedenken.

Kiel | Google sorgt in Zusammenhang mit einer Festnahme für Schlagzeilen. US-amerikanische Polizisten nahmen in Houston einen Mann fest, nachdem der Suchmaschinen- und E-Mail-Dienst pornografisches Material in dessen Nutzerkonto fand. US-Medien berichten von einer anschließenden Hausdurchsuchung, bei der Beamte tatsächlich mutmaßlich kinderpornografisches Material entdeckten. Der Verdächtige war 1994 bereits wegen sexuellen Missbrauchs an einem achtjährigen Kind verurteil worden.

Doch der Fall trifft nicht nur auf ein positives Echo. Googles Hinweis beruht auf einem automatischen Warnsystem, das alle Nutzerkonten scannt. Und das beunruhigt Datenschützer wie Marit Hansen, stellvertretende Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein. Jeder Schlag gegen Kinderpornografie sei wichtig und Hinweise darauf müssten geahndet werden, betont die Informatikerin.   „Dennoch muss sich Google bei Kunden in Deutschland an das Grundgesetz und das Fernmeldegeheimnis halten. Unternehmen dürfen in Deutschland zwar ihre Systeme nach Schadsoftware scannen. Sie dürfen aber nicht selbst fahnden, es sei denn, die Polizei ordnet dies mit richterlichem Beschluss an.“ Die Datenschützerin warnt davor, dass Unternehmen wie Google Infrastrukturen aufbauen, die es erlauben, Inhalte zu durchleuchten und so in die Privatsphäre der Nutzer einzugreifen.

„Wir sind überrascht von der aktuellen Debatte in Deutschland. Das Thema ist nicht neu“, sagt Ralf Bremer, Sprecher von Google Deutschland. Er bestätigte, dass Google mithilfe einer Art digitalem Fingerabdruck die GMail-Konten seiner Nutzer nach kinderpornografischem Material aktiv durchsucht. Der Konzern greife auf Bilddatenbanken von Organisationen zu, die sich dem Kampf von Kinderpornografie verschrieben haben. Jedes Missbrauchsbild wird mit einem eigenen digitalen Fingerabdruck versehen. Damit erkennen die Systeme, auch in GMail, diese Bilder wieder.

 „Jede Gesellschaft sollte sich bemühen, Kinderpornografie zu bekämpfen.  Deswegen haben wir uns dazu entschlossen entsprechende Bilder zu entfernen“, so Bremer. So entdeckte Missbrauchsfälle werde an das National Center for Missing and Exploited Children weitergeleitet – eine private Organisation, die mit Polizeibehörden kooperiert.  „Diese Erkenntnisse werden regelmäßig dazu verwendet, um Kriminelle zu überführen“, sagt der Google-Sprecher und verweist auf einen Fall in Kanada aus dem Jahr 2012. Auch damals lieferte Google Hinweise auf einen Mann, der Medienberichten zufolge 14000 Fotos und Videos mit kinderpornografischen Aufnahmen besaß. Die Technologie wird nur eingesetzt, um Bilder sexuellen Missbrauchs von Kindern zu erkennen, betont Bremer. „Sie wird nicht eingesetzt, um E-Mail-Inhalte in Verbindung mit sonstigen kriminellen Aktivitäten zu identifizieren.“

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erstellt am 05.Aug.2014 | 19:27 Uhr

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