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Fligges Netzwelt : Kinder gehören nicht in die Cloud

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Geschäft mit der digitalen Überwachung von Kindern boomt. Angst schlägt dabei die Vernunft.

Wenn es um die Sicherheit des eigenen Kindes geht, übernehmen die Emotionen das Steuer. Beispiel Kindersitze fürs Auto: Bereitwillig zahlen Eltern für Schnickschnack drauf, wenn dieser mehr Sicherheit verspricht. Es gibt technisches Zubehör, das den Schlaf des Kindes überwacht und Peilsender, die Alarm schlagen, sobald der Nachwuchs den Garten verlässt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es müssen nur die Worte „plötzlicher Kindstod“ oder „Kidnapping“ fallen und der Puls steigt. Subjektive Angst schlägt objektive Bedrohungslage.

Viele Familien scheinen sich deshalb in kleine Überwachungsstaaten zu verwandeln. Das Geschäft mit Peilsendern und Tracking-Gadgets für Kinder boomt. Auf der Crowdfunding-Plattform „Kickstarter“ etwa sammelt ein Projekt derzeit erfolgreich Mittel für ein Datenarmband für Kinder ein. Der Tracker namens „Kiddo“ erfasst neben dem Standort auch Vitaldaten wie die Herzrate, Hauttemperatur, Schweißbildung und Bewegung. Die Daten landen in der Cloud und das Kind bekommt von all dem nichts mit. Bereits kurz nach der Geburt wird sein Leben archiviert – und zwar auf Servern eines Privatunternehmens.

Welche Rolle diese Daten einmal spielen werden, ist ungewiss. Krankheiten und Unfälle sind das eine – Eltern sollten sich aber auch ihrer Verantwortung für den Schutz der Privatsphäre ihres Nachwuchses bewusst sein. Kinder gehören nicht in die Cloud!

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erstellt am 15.Jun.2017 | 10:56 Uhr

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