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Künstliche Intelligenz : Kieler Roboter: Ein feinfühliger Verlierer

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hightech trifft auf Spieleklassiker: Die FH Kiel ist stolz auf ihren Mühle spielenden Roboterarm, auch wenn der bislang wenig Siege verbuchen konnte. Seine Zukunft könnte rosig sein.

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erstellt am 26.Sep.2015 | 04:00 Uhr

Schadenfreude ist die schönste Freude, doch er steht über den Dingen: der Mühle-Roboter der Fachhochschule Kiel. Seine Niederlage quittiert er nur mit einem Klacken, dem Zeichen für den Ruhezustand. Gemeinsam mit zwölf Studenten hat Prof. Dr. Bernd Finkemeyer, Prodekan am Institut für Maschinenwesen, einem Roboterarm das Mühle spielen beigebracht. Hightech trifft auf Spieleklassiker.

Der 43-Jährige legt seinen Spielstein auf das Brett. Eine Kamera erkennt die Position. Den Rest erledigt die künstliche Intelligenz am angeschlossenen Computer. „Dahinter steht eine Software, die im Internet zur freien Verfügung ist. Sie berechnet jetzt aus Tausenden Möglichkeiten den Zug mit der höchsten Siegwahrscheinlichkeit.“ Sanft rauschend setzt sich der auf einem Rolltisch montierte Arm in Bewegung. Er schiebt die Steinchen zurecht, bevor er sie greift, und platziert sie auf dem Spielfeld. Besonders ausgeklügelt ist die Software nicht, muss Finkemeyer zugeben: „Der Roboter ist ein ziemlich schlechter Spieler.“

Das sei allerdings zweitrangig. Vielmehr zeige das Experiment auf spielerische Art, wozu die neue Generation Roboter in der Lage ist. „Der klassische Roboter, wie man ihn von der Fahrzeugproduktion kennt, war hinter einem Zaun. Heute kann der Mensch sicher mit ihm zusammenarbeiten“, erklärt Finkemeyer. Zur Verdeutlichung hält er seinen Finger an die Stelle, an die der Roboterarm den Spielstein setzen möchte. Bei der Berührung schreckt das Gerät sofort zurück.

„Sichere Technik“ nennt die Branche das System, bei dem alle Drehmomente doppelt gemessen werden, um Einwirkungen von außen zu erkennen und Verletzungen so zu vermeiden. Damit seien Geräte wie der namenlose Mühle-Roboter anders programmiert auch attraktiv für kleine Handwerksbetriebe, Zahnärzte oder sogar in Pflege und Reha. „Der mobile Roboter kann bei Übungen unterstützen, ohne Muskeln zu überdehnen“, so der Robotik-Experte. Mühlespielen ist für das etwa 100  000 Euro teure Geräte also eine vergleichsweise stupide Aufgabe.

Für Finkemeyer ist das die Zukunft: „Denken Sie nur an den demografischen Wandel. Wir werden künftig viele Arbeitsplätze automatisieren müssen.“ Angst bräuchten die Menschen davor nicht zu haben. Den Notknopf für die Abschaltung sollte die Forschung aber dennoch immer im Auge behalten.

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