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Netzwelt

22. August 2017 | 19:24 Uhr

Keine Fragen, bitte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Facebook, Pult und Radio:  Indiens Premier umgeht kritische Berichterstattung

Indiens Regierungschef ist ein Facebook-Guru, er füttert seine Homepage ständig, twittert und schreibt einen Blog. Außerdem fasziniert er die Menschen als Redner bei pompösen Auftritten, wöchentlich spricht er im Radio, und für Fotos und Nachrichten-Videos setzt er sich mit Designer-Kleidung in Szene. Narendra Modi bringt seine Botschaften auf allen verfügbaren Kanälen direkt zum Volk. Der Clou dabei: Kritischen Fragen von Journalisten muss er sich so nicht stellen.

Seit seinem Amtsantritt im Mai hat Modi nicht einer einzigen indischen Zeitung oder Zeitschrift, einem TV- oder Radiosender ein Interview gegeben. Stattdessen lädt er diejenigen Menschen zu sich, die ihn bei seinem einseitigen Informationsfluss unterstützen können: Nach Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg wollte er heute auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in Neu Delhi treffen.

„Modi ist ein riesiger Fan der sozialen Medien“, sagt die politische Kommentatorin Arati Radhika Jerath. Er wisse um den Effekt, den eine einzige, ganz von ihm kontrollierte Nachricht über Facebook oder Twitter haben könne. Schon jetzt hat Modi mehr als 22 Millionen Facebook-Anhänger, fast zehn Millionen folgen seinen Twitter-Accounts. Nur US-Präsident Barack Obama hat da mehr.

Den klassischen Medien hingegen misstraue Modi, sagt Nilanjan Mukhopadhyay, der die Biografie „Narendra Modi: The Man. The Times“ schrieb. Die Feindseligkeit sei auf das Jahr 2002 zurückzuführen, als Modi Regierungschef im indischen Bundesstaat Gujarat war und unter seinen Augen Massaker mit Hunderten Toten verübt wurden. Journalisten zahlreicher Medienhäuser machten Modi dafür mitverantwortlich – und er fühlte sich dämonisiert.

„Modi umgeht die Medien, und baut sich alternative Kommunikationswege zu den Menschen“, sagt Mukhopadhyay. „Die Presse ist für ihn ein Instrument, mit dem er für sich werben kann – und nicht eines, das ihn kontrolliert und prüft.“ Gerade in Indien – der größten Demokratie der Welt – hätten Journalisten immer wieder eine wichtige Rolle gespielt, wenn es um das Aufdecken von Korruption ging, sagt Kommentatorin Jerath. Doch: „Wir wissen, wie Medien eine Person hochjubeln, aber auch dann genauso schnell wieder stürzen können.“

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erstellt am 09.Okt.2014 | 12:09 Uhr

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