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Fitness-Daten : Justizminister Maas stellt Wearables auf den Prüfstand

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Immer mehr Menschen setzen auf Gesundheits-Apps und Wearables. Manche Krankenkassen locken mit Vorteilen, doch Verbraucherschützer schlagen Alarm.

Er ist nicht nur Politiker, sondern auch passionierter Triathlet. Beim Laufen, Schwimmen oder Radfahren nutzt Bundesjustizminister Heiko Maas sogenannte Wearables – kleine Computer-Geräte, die direkt am Körper getragen werden. Natürlich sei es interessant, beim Blick auf das Handgelenk nicht nur seine Zeit zu erfahren, sondern auch die Pulsfrequenz, sagt der Minister. Seine Daten speichere er und werte sie am Computer aus – „und ich hoffe, dass auch nur ich das auswerte“, sagt Maas. Das mache er aber nur zur sportlichen Kontrolle und nicht für die Krankenkasse: „Kein Mensch darf zum Objekt eines Algorithmus werden.“

Sind wir auf dem Weg zum gläsernen Menschen? Verbraucherschützer warnen vor Diskkriminierung Alter und Kranker durch Fitness-Tracker. Auch bei Justizminister Heiko Maas sind die Daten-Sammler in Ungnade gefallen.

Laut einer Studie des IT-Verbands Bitkom zeichnet bereits jeder dritte Deutsche Gesundheitsdaten per App, Fitness-Armband oder Computer-Uhr auf. Rund 80 Millionen Menschen in 20 Ländern haben sich beispielsweise bei der inzwischen zu Adidas gehörenden Sport-App Runtastic registriert. Allerdings sind andere Bürger großzügiger als Maas, wenn es um die Weitergabe ihrer Daten geht: Laut der Bitkom-Umfrage würden ein Drittel Gesundheitsdaten an Krankenkassen geben, etwa um im Gegenzug Vorzüge zu erhalten. Verbraucherschützer und Patientenvertreter schlagen Alarm.

Der Konzern Generali kündigte bereits vor längerem an, für seine Berufsunfähigkeitsversicherung Daten über Fitness und Lebensstil sammeln zu wollen. Dabei würden Kunden, die ihr gesundes Leben per App dokumentierten, Gutscheine und Rabatte bei Prämien gewährt. Die Techniker Krankenkasse (TK) macht sich für eine elektronische Patientenakte stark, in der klassische medizinische Werte, aber auch Daten von Fitness-Trackern enthalten sein können. Der Vorteil? „Wir können über das Risiko einer Erkrankung informieren, wenn wir die Krankheiten, den Puls, das Ausmaß der Bewegung und so weiter zusammen analysieren“, sagte TK-Chef Baas der „Süddeutschen Zeitung“. Und die DAK-Gesundheit bezuschusst Smartwatches und Fitness-Tracker. Voraussetzung: Die Geräte müssen mit einer entsprechenden App ausgestattet sein und der Kunde muss die Dokumentation seiner Gesundheitswerte belegen. Die Versicherungen betonen, der Kunde sei weiterhin Herr über seine Daten. Doch die Skepsis ist da. Laut einer vom Verbraucherministerium in Auftrag gegebenen YouGov-Studie sehen 39 Prozent die Verwendung durch Dritte als Problem.

Niemand könne gezwungen werden, seine Fitness zu überwachen, betont Minister Maas. Er wolle prüfen lassen, „die Verwendung bestimmter Gesundheitsdaten auf Grundlage des neuen EU-Datenschutzrechts einzuschränken“.

„Wer gesund und fit ist, spekuliert auf Rabatte. Wer nicht mitmacht, ist schnell identifiziert und diskriminiert“, kritisiert der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Alte und kranke Mitglieder seien die Verlierer. Das stelle das Solidarsystem der gesetzlichen Krankenkassen auf den Kopf.

„Die neuen Apps und Wearables können einen extremen Nutzen entfalten“, meint dagegen Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. „Für gesunde Menschen, länger gesund zu bleiben. Für Kranke, schneller gesund zu werden.“

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