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Software in der Landwirtschaft : John Deere – Angst vor Bastlern und Hackern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wem gehört der Traktor? John Deere plant einem Bericht zufolge, Käufern nur noch ein Nutzungsrecht für seine Trecker einzuräumen. Der Maschinenhersteller hat Angst um seine Software.

Im Frühjahr verbringen Landwirte viel Zeit auf ihrem Traktor: Gülle fahren, Koppeln schleppen, pflügen und säen – ein langer Tag auf dem Feld, den die moderne Technik in der Fahrerkabine erleichtern soll. Die Absicht, die eingebaute Software zweckentfremdet – beispielsweise für illegale Downloads – zu nutzen, dürfte bei der Kaufentscheidung eines um die 120  000 Euro teuren Traktors kaum relevant sein. Doch der US-Hersteller John Deere und sein Partner General Motors wollen sich absichern. Nach einem Bericht der Nachrichtenseite wired.com planen sie, Landwirten mit dem Kauf eines Traktors künftig nicht mehr das Eigentum zu übertragen, sondern nur ein Nutzungsrecht auf Lebenszeit der Maschine einzuräumen – zumindest in den USA. So eng sind Traktor und die eingebaute Software inzwischen wohl verknüpft. Dem Käufer zu erlauben, die Technik anzupassen – auch wenn es um notwendige Reparaturen geht – könne beispielsweise Hackern oder weniger innovativen Wettbewerbern freien Zugriff auf die Software gestatten, wird John Deere in dem Artikel zitiert. Die Entscheidung darüber, ob dies Realität wird, soll das für Urheberrechtsfragen in den USA zuständige Copyright Office im Juli fällen. Ob diese Praxis auch auf dem deutschen Markt Einzug halten soll, ist unklar. John Deere Deutschland wollte sich auf sh:z-Anfrage gestern nicht äußern.

Beim Bauernverband Schleswig-Holstein sorgt diese Meldung für Erstaunen. Die Angst, ein Landwirt würde die Software missbräuchlich nutzen, „ergibt keinen Sinn“, sagt Sprecherin Kirsten Hess. Kein Landwirt kaufe sich einen teuren Schlepper, um dann die Software zu kopieren.

Während wired.com schreibt, der Landmaschinenhersteller mache den Begriff des Eigentums bedeutungslos, sieht der Kieler Anwalt Stephan Dirks das Ganze pragmatischer: „Das ist alles vertraglich festlegbar. Rechtlich ist das gar nicht so spannend.“ Eine solche Regelung wäre für den deutschen Markt schlicht nicht notwendig: Das Kopieren der Software sei durch das deutsche Urheberrecht verboten – der Nutzer dürfe ohnehin nur das mit der Software machen, was der Hersteller mit dem Erwerb der Nutzungslizenz erlaubt. Dirks vergleicht den Fall John Deere mit dem Kauf eines Computers: Auch hier erwerbe man lediglich das Nutzungsrecht an der Software, beispielsweise Windows, nicht aber das Recht, sie zu verändern oder für andere Zwecke zu missbrauchen – auch wenn der PC mit dem Kauf immerhin den Eigentümer wechselt. Hierzulande könne man den Hersteller nicht dafür verantwortlich machen, was ein Nutzer mit der Software anstellt. „In den USA mag das anders sein“, gibt Dirks zu bedenken. Was den Anwalt jedoch irritiert, ist der sich abzeichnende Bedeutungswandel: „Da ist der eingebaute Computer wichtiger als der Trecker“, wundert er sich. „So weit sind wir schon.“

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erstellt am 23.Apr.2015 | 04:45 Uhr

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