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IT-Sicherheit „Wir haben große Defizite“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

von
erstellt am 31.Aug.2015 | 17:25 Uhr

Trojaner auf dem heimischen Rechner, ein Hacker-Angriff auf den Bundestag oder Wirtschaftsspionage im Unternehmen: Um die Sicherheit von IT-Systemen ist es nach Ansicht von Branchenkennern nicht gut bestellt. Ein Expertentreffen in Kiel kommt zu einem düsteren Ergebnis.

Kriminelle Hacker dringen in vermeintlich sichere IT-Netze ein, umgehen die Sicherheitsstrukturen, spähen Geheimnisse aus oder manipulieren Daten. „Wir haben große Defizite“, sagte die Leiterin des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD), Marit Hansen, am Montag bei der ULD-Sommerakademie in Kiel. Dies betreffe nicht nur Smartphones und Computer, sondern auch das Rückgrat des Systems, die IT-Infrastruktur. Dies liege unter anderem an der zu hohen Wachstumsgeschwindigkeit der Informatik sowie Monopolstellungen an neuralgischen Schaltstellen. Das Schadenspotenzial sei enorm: „Ohne Vertrauenswürdigkeit gibt es keine Informationsgesellschaft, das ist meine Überzeugung“, sagte Hansen. Daran müsse gearbeitet werden.

Nach Ansicht des Landeszentrums für Datenschutz setzt eine sichere und vertrauenswürdige IT-Infrastruktur das Zusammenwirken von privaten und öffentlichen Stellen, Herstellern, Anbietern und Nutzern voraus. Um die Sicherheit zu verbessern, seien technisch-organisatorische Vorkehrungen, aber auch Hilfen zum Selbstschutz sowie Maßnahmen der Aufsicht notwendig.

Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Ole Schröder, sagte, „für uns ist da Thema vertrauenswürdige IT-Infrastruktur von größter Bedeutung“. Er sei überzeugt, wenn die Chancen des digitalen Wandels für den Einzelnen und die Gesellschaft bestmöglich genutzt werden sollen, brauche es einen Ordnungsrahmen. Die Bundesregierung trete für ein hohes Maß an digitaler Sicherheit ein. Zur Etablierung einer vertrauenswürdigen digitalen Infrastruktur seien erste konkrete Vorhaben umgesetzt worden. Schröder nannte das IT-Sicherheitsgesetz, das seit Ende Juli in Kraft ist und Betreibern wichtiger Infrastrukturanlagen vorschreibt, ihre Computersysteme künftig besser gegen digitale Angriffe zu schützen.

Der Vorstandschef der Sirrix AG, Ammar Alkassar, rät Unternehmen und Verwaltungen, kritische Komponenten gegen sichere Eigenentwicklungen auszutauschen. Traditionelle Methoden zum Schutz vor Angriffen reichten heutzutage oft nicht mehr aus. Ein Problem sei, dass viele der heutigen IT-Systeme von Monopolisten abhängig sind, sagte Alkassar, dessen Firma aus Saarbrücken unter anderem Verschlüsselungssoftware entwickelt. Diese sähen sich nicht unbedingt deutschen oder europäischen Werten verpflichtet.

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