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Müllers Netzwelt : ISDN ist tot, es lebe VoIP

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Wechsel auf die neue Technologie kommt – auch wenn Nutzer es noch nicht wollen.

Die Digitalisierung der Telekommunikationsnetze in den 80er Jahren und die einhergehende Einführung von ISDN führte dazu, dass mehrere Telefonate gleichzeitig geführt, oder parallele Fax- und Datenverbindungen hergestellt werden konnten. Bei den größeren Anschlüssen von Betrieben waren sogar 30 und mehr gleichzeitige Telefonate über eine Leitung möglich. Das ISDN-Netz vereinte somit Daten- und Sprachanwendungen miteinander und steigerte die Leistungsfähigkeit des Telefonnetzes erheblich.

Mit der Einführung des Internetprotokolls wurde ein universeller Mechanismus etabliert, der alle Anwendungen, die dieses Protokoll verwendet, miteinander vereint. Um die Jahrtausendwende wurde dann die Telefonie über das Internetprotokoll (Voice over IP/VoIP) reif für den Weltmarkt. Der daraus resultierende Kostenvorteil führte schnell dazu, dass die Herstellung und Verbreitung von ISDN-Technologien weniger wurde. Heute stellt kein namhafter Hersteller wie Siemens, Bosch oder Alcatel diese Technologie mehr her. Teilweise gibt es diese Firmen in dieser Form auch nicht mehr.
Viele Telefonanschlüsse werden bereits heute mit der VoIP-Technologie betrieben. Allerdings darf diese Technik nicht mit „Telefonieren über das Internet“ verwechselt werden. Die VoIP-Dienste der Telekommunikationsanbieter laufen in deren internen IP-Netzen und nicht im öffentlich zugänglichen Internet.

Hierzu gehören Anschlüsse bei Anbietern mit Kabel-TV-, Glasfaser- und VDSL-Netzen. Da viele Kunden trotzdem nicht auf ISDN verzichten möchten, bietet ein namhafter deutscher Hersteller rote Boxen an, die in VoIP-Netzen betrieben werden können, aber die Anschlussmöglichkeit für ISDN und analoge Endgeräte bieten.

Die Anbieter, die noch ISDN-Netze betreiben, werden in der nahen Zukunft ebenfalls auf VoIP umstellen. Sie haben ein kommerzielles Interesse daran, das eigene Netz komplett auf IP umzustellen, um keine teure und parallele ISDN-Technik mehr vorzuhalten zu müssen. Somit ist die Umstellung auf VoIP-Technik unumgänglich, auch wenn derzeitig die Qualität nicht immer an ISDN heranreicht. Es gibt zwar noch Anbieter, die mit dem klassischen ISDN werben, doch auch denen darf man unterstellen, dass sie in den nächsten Jahren umstellen.

Und damit müssen mittelfristig alle ISDN-Anschlüsse „angefasst“ werden. Dass diese Umstellung nicht so einfach ist, musste der rosa Riese gerade feststellen. Technische Probleme und Unverständnis bei den Kunden führten dazu, dass die Einführung bzw. Umstellung erst einmal verzögert wurde. Aber sie wird kommen, wie bei allen anderen Anbietern auch.

> Dirk Müller ist Breitband-Experte.

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