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Dreyklufts Netzwelt : internet.org: Facebooks Internet für Arme

vom
Aus der Onlineredaktion

Facebook verspricht armen Menschen armseliges Internet, schreibt unser Kolumnist Joachim Dreykluft.

von
erstellt am 21.Apr.2015 | 17:58 Uhr

Facebook findet es gut, wenn Nutzer sich von der eigenen Plattform ins „richtige“ Internet bewegen. Über diese Aussage eines hochrangigen Facebook-Managers berichtete ich vergangene Woche – und zeigte mich gleichzeitig skeptisch.

Meine Skepsis wurde nicht nur bestätigt, sondern getoppt durch Äußerungen von Mark Zuckerberg. Der Facebook-Chef verteidigte In Indien eine von ihm gestartete Initiative mit dem euphemistischen Namen „internet.org“. Damit bringt Zuckerberg armen Menschen in armen Ländern kostenlos das, was er unter Internet versteht: Facebook-Zugang plus ein paar von Facebook handverlesene andere Websites.

„Wenn man sich keinen Internetanschluss leisten kann, ist es besser, ein bisschen Zugang zu haben, als gar keinen“, schrieb Zuckerberg vergangene Woche Freitag in der „Hindustan Times“. „Poor Internet for Poor People“ (armseliges Internet für arme Leute) konterte der indische Internet-Investor Mahesh Murthy auf der renommierten Wirtschafts-Website „Quartz“.

Die illustrierte seinen Beitrag mit dem Bild eines dunkelhäutigen Jungen und dem Text „Mit internet.org wird er nicht der nächste Zuckerberg“. Der hatte in seinem Beitrag eine Szene in der Schule eines indischen Dorfes geschildert: „In diesem Klassenzimmer könnte ein Schüler mit einer großartigen Idee sein, die die Welt verändern könnte.“ Und das, so glaubt er, macht nun seine verfacebookte Miniversion des Internets möglich.

Facebooks perfider Internet-Imperialismus zeigt Wirkung. In Indonesien oder Thailand gibt es absurderweise viel mehr Menschen, die sagen „Ich nutze Facebook“ als Menschen, die sagen „Ich nutze das Internet“.

 

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