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Smarte Technik : Intelligente Geräte – Wie vernetzt ist unser Leben?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Industrie erhofft sich in den kommenden Jahren Milliardengeschäfte durch intelligente Geräte und Maschinen. Doch wie smart sind Auto, Kühlschrank und Werkzeugmaschine tatsächlich?

Autos, die sicher autonom fahren. Fernseher, die online gehen. Heizungen, die sich automatisch zur Ankunft der Hausbewohner einschalten. Das Internet soll viele Abläufe im täglichen Leben einfacher machen. Was vernetzt werden kann, wird künftig auch vernetzt, lautet die Devise. Firmen wie Bosch, die die notwendigen Sensoren liefern, sehen ein Milliardenpotenzial im sogenannten „Internet der Dinge“ – Geräte, die mit Menschen oder Maschinen kommunizieren. Es schwingt viel Zukunftsmusik mit – tatsächlich funktioniert die Vernetzung an vielen Stellen schon.

Handy und Computer ohne Internetzugang? Undenkbar. Inzwischen gilt das aber auch für Fernseher und Audiogeräte oder Kameras. Neue Kategorien kommen überhaupt nicht ohne Vernetzung aus: Sogenannte „Wearables“, die direkt am Körper getragen werden wie die Apple Watch oder Fitness-Tracker. Der Umsatz damit soll sich laut Prognosen von IHS Technology von 4,5 Milliarden Euro in diesem Jahr auf neun Milliarden Euro 2019 verdoppeln.

Hersteller wie Miele oder Bosch haben nicht nur die internetfähigen Hausgeräte im Programm, sondern kümmern sich auch um Apps und Softwareportale. Damit lässt sich die Waschmaschine auf dem Heimweg mit dem Smartphone anstellen. Die Geräte sollen aber auch miteinander kommunizieren: So verbindet Miele eine Dunstabzugshaube mit dem Herd, damit die Gebläsekraft automatisch an den Kochprozess anpassen wird.

Rollläden auf dem Smartphone kontrollieren, im Urlaub das Licht zur Abschreckung von Einbrechern einschalten und die Heizung auf dem Heimweg aus dem Urlaub schon mal anstellen? Alles gute Ideen. Doch nur gut 46 Prozent der Deutschen wohnen in den eigenen vier Wänden.

Für die anderen ist der Anreiz, Geld in die Aufrüstung einer Immobilie zu stecken, eher gering. Laut Bitkom nutzen tatsächlich aber schon zehn Millionen Deutsche smarte Haustechnik. Etwa digitale Thermostate oder programmierbare Lichtschalter. Ende 2014 ging Bitkom davon aus, dass es bis 2020 eine Million komplett vernetzte Haushalte geben wird. Ende 2013 waren es 315.000.

In der Industrie sollen künftig Werkstücke den Maschinen mit Hilfe von Chips oder Funketiketten mitteilen, wie sie bearbeitet werden wollen. Oder Maschinen sich gegenseitig Bescheid geben, wenn der nächste Arbeitsschritt beginnen kann. Der Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf erprobt solche Szenarien in seinem Werk in Gerlingen. Bosch hat seine Produktion in einem Pilotwerk in Homburg intelligent vernetzt. Dort werden mit Hilfe von Funketiketten Logistikprozesse vereinfacht. Außerdem können Hydraulikventilpumpen nach individuellen Kundenwünschen hergestellt werden. Nach Angaben von Bosch hat das zu einem Produktivitätsfortschritt von zehn Prozent geführt. Experten der Boston Consulting Group (BCG) rechnen dank Industrie 4.0 bis 2020 mit 390.000 neuen Arbeitsplätzen und einem Beitrag von 30 Milliarden Euro zum Bruttoinlandsprodukt.

In einer Bitkom-Umfrage war schon vor zwei Jahren den Befragten ein Smartphone-Anschluss im Auto wichtiger als eine hohe PS-Zahl. Über ein Display kann Musik vom MP3-Player oder die Nachrichten vom Smartphone abgerufen werden.

Zukunftsmusik sind vernetzte Autos, die sich gegenseitig anfunken und vor Gefahren oder Staus warnen. Ein erster Schritt ist auch in diese Richtung getan: Neuwagen sollen von 2018 an mit dem Notrufsystem eCall ausgestattet werden, mit dessen Hilfe Autos bei einem Unfall Kontakt zum Notdienst aufnehmen sollen. Einige Hersteller bieten das bereits an.

Google-Chef Eric Schmidt glaubt an die Zukunft des selbstfahrenden Autos: Von Computern gelenkte Fahrzeuge seien faszinierend, die Computersicht sei besser als die menschliche Sicht, sagte er gestern auf der Gründerkonferenz NOAH in Berlin. In 100 Jahren werden nach Meinung von Schmidt Menschen in Kinos alte Filme sehen, in denen Schauspieler in schöne deutsche Autos steigen, und die Zuschauer werden sich nicht vorstellen können, dass man einmal selbst lenken musste.

Die Software im Cockpit

Die Autohersteller Ford und Toyota prüfen eine Kooperation bei Systemen zur Integration von Smartphones in künftigen Modellen. Das kündigten sie gestern an. Damit würden sie verstärkt mit Carplay von Apple oder Android Auto von Google konkurrieren. Carplay und Android Auto waren vor einem Jahr vorgestellt worden und finden jetzt allmählich den Weg in neue Fahrzeuge von Marken wie Audi, Chevrolet oder Hyundai. Die Systeme lassen ausgewählte Smartphone-Apps zur Unterhaltung oder Navigation auf dem Auto-Bildschirm erscheinen und binden auch Kurzmitteilungen und Anrufe ein. Die meisten Hersteller unterstützen beide Plattformen und bauen weiterhin auch eigene Lösungen ein. Toyota und Ford sind auch Partner bei Carplay. Ford ist zudem bei Android Auto dabei.

„Die Autobauer haben Angst, Daten an Google und Apple zu verlieren“, heißt es von einem Brancheninsider.  Zudem vermissten die Konzerne Spielraum für Differenzierung: „Zu ihrem Geschäftskonzept gehört, dass die Bedienung in einem Maserati hochwertiger aussieht als in einem Fiat.“

Der italienische Autobauer versucht bei seinem neuen Fiat 500X noch einmal, mit einer Infotainment-Lösung aus eigener Entwicklung dagegenzuhalten. Das System im Cockpit nutzt zwar das Smartphone zur Internet-Verbindung – die gesamte Bedienoberfläche wurde bei Fiat unter anderem mit Hilfe des US-Konzerns Harman entwickelt. Eine Zusammenarbeit mit Apple und Google schließt Fiat nicht aus. dpa

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