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Musikvideo-Parodie : Im Stil von Rammstein: Jan Böhmermann setzt Zeichen gegen Rechts

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Mit Fahrradhelmen und Birkenstock-Sandalen in den Kampf gegen Rechts: Jan Böhmermann zeigt in seinem neuen Musikvideo, wie er die Deutschen sieht.

„Remember, Remember. The 9th of November.“ Mit diesen Zeilen beginnt das neue Musikvideo von Jan Böhmermanns Fernsehsendung „Neo Magazin Royal“ und spielt damit auf den „Schicksalstag der Deutschen“ an. In Tonfall und Optik von Rammstein, der international wohl berühmtesten deutschen Band, setzt Böhmermann ein optimistisches Statement gegen Rechts. Dabei porträtiert und parodiert er auch typische Eigenheiten der Deutschen.

Jan Böhmermann moderiert wöchentlich die Late-Night-Show „Neo Magazin Royal“. Im Rahmen dieser Sendung produziert er regelmäßig Musikvideos  und andere Beiträge, von denen einige in den letzten Monaten für Aufregung gesorgt haben.

Das knapp fünfminütige Video „BE DEUTSCH! [Achtung! Germans on the rise!]“ ist so sorgfältig konzipiert und voller Anspielungen, dass man es im Deutsch- oder auch Geschichts- und Politikunterricht besprechen könnte. Es geht um die politische Lage in Deutschland, um Rassismus und um „Deutsch-Sein“.

Immer wieder sorgt Böhmermann mit seinen Musikvideos für Aufregung: Zum Beispiel behauptete der Entertainer im März 2015, den Clip in dem der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis den Stinkefinger zeigt, gefakt zu haben. Im November 2015 wurde er mit der Rap-Parodie „Polizistensohn“ zum Klick-Millionär und in der Rap-Szene kontrovers diskutiert.

Der Kinderreim am Anfang spielt auf die englische „Bonfire Night“ an - am 5. November 1605 wurde ein Anschlag auf das englische Parlament vereitelt. Das „deutsche“ Ereignis, worauf Böhmermann anspielt, ist die Pogromnacht 1938. Damals kam es zu zahlreichen Übergriffen auf Juden und jüdische Einrichtungen. Scheiben wurden zerschlagen, Häuser beschmiert, Synagogen brannten. Die Polizei und Feuerwehr hatten Weisung, nur nicht-jüdisches Eigentum zu schützen.

Visuell zeigt das „Neo Magazin Royal“ in dem Clip, wie ein Bus mit Flüchtlingen in Sachsen gestoppt wird, wie beige Gestalten hasserfüllt gegen Flüchtlinge protestieren und wie dann typisch-deutsche Gestalten aus dem Erdboden auferstehen. Mit dumpfer Metal-Stimme singt Jan Böhmermann: „Wake up, Deutschland, Sleeping Beauty. Can you hear your call of duty? The world has gone completely nuts, that's why were hear to help, mein Schatz. Achtung, Germans on the rise, but this time we are fucking nice.“ Die Welt dreht komplett durch und Deutschland erhebt sich wieder. Und dieses Mal sind die Deutschen verdammt nett.

Den farblosen Neu-Rechten mit Pegida, AfD-Botschaften und Trump-Plakaten steht im Video ein buntes Deutschland entgegen. Menschen mit Fahrradhelmen, Rasta-Locken oder weißen Socken und Sandalen, ein Pfarrer, ein Jude, eine Frau im Rollstuhl, eine im Hijab, eine Drag-Queen, ein Junge mit Fußball und andere Durchschnittsmenschen wenden sich gegen einen mit Fackeln und Mistgabeln bewaffneten Mob. Sie marschieren in Birkenstocks und Jack-Wolfskin-Jacken durch die Nacht, um den Irrsinn zu beenden. Zu Metal-Sounds zählt Böhmermann die Eigenschaften der Deutschen auf: Nett, liberal, vernünftig. Sie sind Grundgesetz, Fahrvergnügen und Dosenpfand. Sie waren einmal dumm und wollen es nicht noch einmal sein, sie sind lernfähig.

<p>In Jan Böhmermanns „BE DEUTSCH! [Achtung! Germans on the rise!]“ kämpft eine bunte deutsche Gesellschaft gegen Rechts.</p>

In Jan Böhmermanns „BE DEUTSCH! [Achtung! Germans on the rise!]“ kämpft eine bunte deutsche Gesellschaft gegen Rechts.

Foto: Screenshot YouTube
 

Im Ausland sind Deutsche als harsch und humorlos bekannt - und für Rammstein und deren düster-aggressive Musik. Diese und viele andere typisch-deutsche Elemente greift das Neo Magazin in „BE DEUTSCH!“ gekonnt auf und dreht sie um. Die aufmunternde Botschaft des Videos: Die Deutschen sind vielleicht eine Nation ohne modischen Geschmack, die im Urlaub ihre Liegestühle mit Handtüchern reserviert, aber sie werden sich nicht von Rassisten unterkriegen lassen.

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erstellt am 31.Mär.2016 | 20:08 Uhr

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