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Ich sage dir, wo ich bin. Gruselig?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Über Facebook und Google können wir unseren Standort teilen. Das macht bei manchen ein Zweit-Handy nötig.

Der Begriff „Live Location“ macht gerade Karriere im mobilen Internet. Auf Deutsch heißt das so viel wie: „Ich sage dir, wo ich gerade bin, und das in Echtzeit.“ Dienste wie „Location of“ gibt es schon länger. Seit vergangener Woche bieten sowohl Google in der App „Maps“ als auch Facebook im „Messenger“ einen solchen Dienst an. Damit dürfte der Durchbruch in der Masse bevorstehen.

Wie funktioniert das genau? Ich gebe meine Standortdaten an eine andere Person weiter, in der Regel zeitlich begrenzt. Die Person kann dann sehen, wo mein Smartphone sich befindet und wie es sich bewegt. In „Maps“ muss ich dafür von der linken Bildschirmkante nach rechts wischen. Dann taucht der Menüpunkt „Standort teilen“ auf. Im „Facebook Messenger“ wählt man zunächst eine Person aus, tippt rechts unten auf die drei Punkte und wählt „Standort“ aus.

Ich finde die Funktion klasse. Denn es gibt viele sinnvolle Anwendungen. Bisher musste ich anrufen und sagen: „Bin jetzt Höhe Neumünster, wir sehen uns in einer Stunde.“ Das geht jetzt einfacher. Manche meinen, Stars und Sternchen könnten künftig so ihren Fans mitteilen, wo sie gerade sind. Bei Pierre-Emerick Aubameyang würde mich etwa schon interessieren, ob er sich auf dem BVB-Trainingsplatz in Dortmund-Brackel befindet oder in der Nike-Deutschlandzentrale neben dem Frankfurter Waldstadion. ;-)

Wer „Google Maps live“ googelt, findet aber auch Meinungen wie „bedenklich“ oder „gruselig“. Dazu muss man wissen, dass die Diensteanbieter ohnehin wissen – und speichern! – wo wir gerade sind. Bei Google Maps kann man sich das unter „Meine Zeitachse“ auch anschauen.

Problematisch wird es, wenn das Teilen der Live Location zu einem allzu selbstverständlichen Teil unseres Alltags würde. Schon heute soll es Paare geben, die Smartphone-Stalking betreiben, nach dem Motto: „Warum darf ich keinen Zugriff auf dein Handy haben? Hast du etwas zu verbergen?“ Daraus wird jetzt: „Warum darf ich keinen Zugriff auf deinen Standort haben?“. Lassen Sie das!

Denn sonst brauchen wir mindestens zwei Handys. Ein „offizielles“, das dort ist, wo man sein sollte (möglicherweise von einem bezahlten Menschen dorthin getragen), und ein tatsächliches, heimliches in unserer Hosentasche. Und das wäre tatsächlich gruselig.

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erstellt am 04.Apr.2017 | 10:16 Uhr

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