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Internetkriminalität : „Ich bin keine Betrügerin“

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Die Rostockerin Ines Mueller wollte auf Ebay Kleinanzeigen nur ein Kleid verkaufen: Doch dann hat jemand ihre Identität gestohlen.

shz.de von
erstellt am 13.Aug.2014 | 04:30 Uhr

 Rostock | Der Albtraum begann mit einer einfachen Annonce  bei der Internetplattform  Ebay Kleinanzeigen: Ines Mueller* wollte  ein Abendkleid verkaufen, Smaragdgrün mit Pailletten. Doch was  folgte,  waren Terroranrufe  und üble Beschimpfungen.  Ines Mueller wurde Opfer von Internetbetrug.

Dabei fing alles ganz harmlos an: „Auf meine Annonce  meldete sich eine Interessentin namens Katrin. Sie wollte das Kleid kaufen, aber nur unter der Bedingung, dass ich ihr eine Kopie meines  Personalausweises und  meines  Führerscheins zuschicke.  Sie bestand darauf, weil sie schlechte Erfahrungen mit Ebay gemacht hätte“, erzählt Mueller.  Dass sie damit Opfer von Datenmissbrauch werden würde, daran hat die junge Frau zu dem Zeitpunkt noch nicht gedacht.

 „Nachdem Katrin die Daten hatte, meldete sie sich nur noch einmal: Sie würde das Geld für das Kleid überweisen. Doch auf meinem Konto kam nie etwas an. Ich dachte, Katrin hätte das Kaufinteresse verloren – bis ich etwa eine Woche später einen Anruf von einem Mann aus dem Schwabenland  erhielt“, sagt Mueller.  Angeblich hätte er einer Ines Mueller bei Ebay Kleinanzeigen Konzertkarten abgekauft. Das Geld hätte er bereits überwiesen. Nur die Karten seien noch nicht bei ihm angekommen. „Der Mann hatte von dem Verkäufer eine Kopie meines Ausweises bekommen. Ich wusste, da stimmt etwas nicht. Ich hatte nie Konzertkarten angeboten“, so Mueller. Die Anrufe häuften sich. „In den vergangenen vier Wochen haben mich  rund 200 Leute kontaktiert – und das auf den unterschiedlichsten Kanälen. Sie haben mir  über soziale Netzwerke eine Mail geschrieben, mich und  meine Eltern angerufen“, sagt Mueller.

Weil Ines lange als Ergotherapeutin selbstständig war, stehen viele ihrer persönlichen Daten im Internet. „Die Leute, die anriefen, sollen  bei mir alle Konzertkarten im Wert von 80 bis 200 Euro  gekauft haben. Vom Verkäufer haben sie immer eine Kopie meines Ausweises bekommen“, erklärt die hochschwangere Ines. Die Käufer seien  aus Süddeutschland, sodass eine persönliche Abholung der Karten nie in Frage gekommen wäre. „Jemand hat meine Identität angenommen und damit andere Leute betrogen“, weiß Ines heute. „Die Anrufe oder Mails, die mich erreichen, sind oft von Drohungen begleitet. Da die Leute  auch meine Adresse haben, habe ich Angst, dass eines Tages mal jemand vor meiner Tür steht.“

Bereits am 6. Juli hat Ines Strafanzeige bei der Polizei gestellt. Doch bisher ohne Ergebnis. Auch mit Ebay Kleinanzeigen hat die junge Frau  regen Kontakt. „Ebay Kleinanzeigen warnt davor, dass ich eine Betrügerin sei. Dabei bin ich diejenige, die betrogen wurde“, betont sie. Doch von Ebay Kleinanzeigen heißt es nur: „Der Warnhinweis wurde automatisch versandt. Aus technischen Gründen ist Ihre Forderung bezüglich des Warnhinweises somit nicht umsetzbar. Leider stehen uns in diesem Fall keine weiteren Eingriffsmöglichkeiten zur Verfügung...“ Ines Mueller ist wütend. Von einem der Ebay-Nutzer, der angeblich Tickets bei ihr gekauft hätte, hat sie erfahren, dass verschiedene Konten unter ihrem Namen eingerichtet worden sind, unter anderem bei der Deutschen Bank.

„Wer sich bei Ebay bewegt, bewegt sich wie im Rotlichtmilieu. Die Kriminalität auf dieser Plattform ist sehr hoch“, sagt Matthias Wins, Anwalt bei der Verbraucherzentrale Rostock. „Häufig werden dort gestohlene Waren angeboten. Den Schutz, den Ebay bietet, ist gering“, so Wins. Internetbetrügereien kämen häufig vor.  „ Das Internet ist ein Ort zum Abtauchen. Die Kriminellen nutzen oft internationale Provider, sodass es für die Polizei schwierig ist, sie zu finden“, erklärt Wins.   „Für die Opfer ist es ein großes Problem,  sich zur Wehr zu setzen. Alles, was erstmal im Internet kursiert, bleibt dort auch“, betont Wins. „Es gibt keine ausreichenden Regelungen für Straftaten übers Internet.“ Matthias Wins rät: „Wer geschädigt wurde, sollte Anzeige erstatten und versuchen einzudämmen, was noch einzudämmen geht.“

* Name geändert

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