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Schaars Netzwelt : Hochgucken lohnt sich

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Auch für die Generation "Kopf-runter" lohnt sich manchmal das Hochgucken, meint Kolumnist Jörn Schaar.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2014 | 04:00 Uhr

Als Nerd hat man es in diesem „Draußen“ nicht immer leicht, gerade in dieser Jahreszeit. Die Sonne sticht, überall sind Menschen, das verwirrt uns mitunter sehr. Ich möchte Ihnen das mal an einem persönlichen Beispiel erläutern: Ich war kürzlich zwangsweise im öffentlichen Personennahverkehr unterwegs. Das kommt vor, das lässt sich manchmal nicht anders machen. Ich gebe mich bei der Gelegenheit gern dem Klischee hin, zur "Kopf-runter"-Generation zu gehören. Der Blick ist auf das Smartphone gerichtet, denn ich konzentriere mich lieber auf ein schönes Spiel, anstatt Löcher in die Luft zu gucken. Bei der Gelegenheit kann ich immer auch ein paar Podcasts querhören – eigentlich ist so eine Zugfahrt gar nicht so schlecht. Auf dem Bahnsteig schalte ich den Ton oft aus, damit ich die Durchsagen mitbekomme. Deshalb höre ich auch, wie neben mir ein kleiner Junge, vielleicht sieben oder acht Jahre alt, an seinem bärtigen Begleiter hochguckt, der mit dem Blick auf’s Handydisplay in etwa die gleiche Körperhaltung hat wie ich: "Papa, ich hab eine Idee!", piepst er. "Stell Dir mal vor, dass man am Bahnhof NICHTS machen dürfte. Keine Musik hören, keine Handyspiele, nix! Wär doch super oder?" Und da dämmert es sowohl dem Papa des Kleinen, als auch mir: Man müsste öfter mal hochgucken vom Handy und diese teuer erworbenen Scheuklappen häufiger in der Tasche lassen. Hochgucken, sich öffnen für das was um einen herum passiert und für die kleinen Geschichten, die inspirierenden Momente im Kleinen. Im ganz Kleinen, wenn es sein muss. Und in diesem Fall musste es ja nun wirklich sein, denn man will sich ja auch mal auf ein mittlerweile ungewohntes Terrain begeben. Und wie ich so herumgucke, fällt mir ein junger Mann auf, der sich suchend umsieht. Während ich noch denke „Wen der wohl sucht?“ haben wir plötzlich Blickkontakt und der Typ kommt schnurstracks auf mich zu. Ob ich nach Kiel fahre und ob wir nicht vielleicht zusammen fahren wollen, um Geld zu sparen, will er wissen. "Nein", antworte ich. "Wir von der Bundespolizei fahren ohnehin kostenlos". Allein für seinen Gesichtsausdruck hat sich das Hochgucken schon gelohnt.

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