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Dreyklufts Netzwelt : Her mit dem Netz-Soli!

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nicht nur Schleswig-Holsteins Straßennetz ist marode. Auch das Internet lässt hier zu wünsche übrig, meint Kolumnist Joachim Dreykluft.

Diese Zeilen schreibe ich aus Ulm, einer Stadt auf der Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern. In diesen beiden Bundesländern stimmt die Infrastruktur in Sachen Verkehr. Das haben wir jüngst in der Diskussion um den Schlagloch-Soli gelernt. Und ich kann bestätigen: Was beim Verkehr gilt, gilt auch für das mobile Internet.

In Schleswig-Holstein ist mobile Internetversorgung schwierig. Ich benutze inzwischen den Begriff „SH-Internet“ als Synonym für „unterentwickelt bis nicht vorhanden.“ Besitzer von Smartphones sehen das daran, dass sie im Norden regelmäßig ein „E“ neben den Balken für die Stärke des Mobilfunknetzes sehen. „E“ steht für „EDGE“. Das ist eine Technik zur mobilen Übertragung von Daten, die laut Wikipedia  „in ländlichen Gebieten“ als Ersatz für UMTS-Datenübertragungen dient. „Ländliche Gebiete“, das sind in Schleswig-Holstein etwa Teile der Stadtgebiete von Flensburg oder Rendsburg. In echten „ländlichen Gebieten“, also etwa in Nordangeln 15 Kilometer von Flensburg entfernt, steht auch ein „E“ auf dem Handy, aber es findet quasi keine Datenübertragung mehr statt.

Hier in Bayern und Baden-Württemberg dagegen: Fast immer ein „H“. Das steht für den schnellen Datenstandard HSDPA. Wieder Wikipedia: „Das Verfahren ermöglicht DSL-ähnliche Datenübertragungsraten im Mobilfunknetz.“ So sollte, und kann, es sein.

Wenn man politische Entscheidungsträger in SH wie Ministerpräsident Torsten Albig auf das miese Mobilfunknetz im Land anspricht, lautet die Antwort: Ja, ein Ausbau sei halt teuer. Wenn man das wolle, müsse man auf andere Investitionen verzichten. Das müsse man politisch durchsetzen.

Deshalb mein Vorschlag: Ein gut ausgebautes mobiles Internet ist wichtige Infrastruktur. Wenn das vorhandene Geld anderswo verplant ist, Soziales oder Bildung, muss man neue Einnahmen schaffen. Ich fordere: Ein Netz-Soli von 100 Euro muss her!

Zugegeben: Auch in Bayern und Baden-Württemberg sieht man mal ein „E“. Deshalb sind wir großzügig. Ein Teil des Solis darf auch in den Süden fließen. Und auch wir in SH zahlen mit. So wie die neuen Bundesländer den Wiedervereinigungs-Soli mitzahlen. Wenn alles gut geht, sieht das SH-Internet in ein paar Jahren aus wie eine mecklenburgische Autobahn.

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