zur Navigation springen

Antennenfernsehen der Zukunft : HD-Fernsehen mit DVB-T2: Das flache Land kann lange warten

vom
Aus der Onlineredaktion

Mehr Sender und endlich in HD: DVB-T2 soll das mobile Fernsehen ab 2016 erleichtern. Die Verbraucher müssen dafür aber erstmal ihre Geräte umrüsten. Fragen und Antworten zum neuen Überall-Fernsehen.

Hamburg | 2016 wird eine neue Epoche des terrestrischen Fernsehempfangs eingeläutet. Mit dem Aufbau der neuen DVB-T2 Infrastruktur soll es möglich werden, HD-Fernsehen ohne Satellitenantenne und Kabelanschluss zu empfangen – auch mit Mobilgeräten. Bis das hochauflösende TV mit deutlich mehr Programmen und besserem Empfang auch die ländlichen Gebiete erreicht, kann es aber noch ein paar Jahre dauern. Was Sie schon jetzt zum Antennenfernsehen der Zukunft wissen müssen.

Wie sieht der Fahrplan für den Ausbau aus?

Neben den Spielen der EM in Frankreich werden auch die Olympischen Spiele von Rio im August auf Sendung geschickt. Der Pilotbetrieb mit voraussichtlich sechs Test-Programmen wird allerdings nur in Ballungsgebieten zur Verfügung stehen.

Am 29. März 2017 startet in zahlreichen Ballungsräumen DVB-T2 mit rund 40 Fernsehprogrammen überwiegend in HD in 1080p. Das gab das Projektbüro DVB-T2 HD am 6. Juni 2016 bekannt. Mitte 2019 soll die mutmaßlich letzte Revolution des terrestrischen Rundfunks auch auf dem flachen Land vollzogen sein. Wann welche Gebiete erschlossen werden, wurde bisher nicht bekanntgegeben. Sobald die neuen Signale in den jeweiligen Regionen verfügbar sind, wird das schwammige, langsame und häufig von Artefakten durchlaufene DVB-T-Bild für immer von den Displays und Bildschirmen verschwinden.

Können meine Empfangsgeräte weiter genutzt werden?

Nein, die bisherigen Receiver – ob intern oder extern – werden nach der Umstellung schrottreif sein. Um DVB-T2 in Zukunft empfangen zu können, müssen neue Geräte angeschafft werden. Wer seinen alten Fernseher behalten möchte, kann nachrüsten, indem er einen zusätzlichen Receiver kauft. Die Haus- und Zimmerantennen sind weiter nutzbar.

Was muss ich jetzt beim Fernseherkauf beachten?

Keine Eile beim Kauf – und Augen auf: Es gibt derzeit nur eine Handvoll Fernsehgeräte und externe Receiver auf dem Markt, die den erforderlichen HEVC/H.265-Codec voll unterstützen – auch wenn im Internet und in den Elektronikhäusern diverse DVB-T2-Geräte angeboten werden. Wichtig ist es daher, beim Kauf eines Fernsehers auf das grüne Logo der „DVB-T2 HD“-Initiative zu achten.

Foto:tv-plattform.de

 

Darüber hinaus sollte abgeklärt werden, ob selbst die gelabelten Geräte auch über die Schnittstelle für Pay-TV verfügen. Ansonsten müssen in einigen Jahren Zusatzgeräte angeschafft werden. Internationale Empfangsgeräte zum Beispiel  aus Dänemark oder Österreich sind aufgrund anderer Decoder nicht mit den deutschen HEVC-Signalen kompatibel – auch wenn sie laut Label für DVB-T2 gewappnet sind. Letztendlich werden einfache Empfangsgeräte als Set-Top-Box ab 50 Euro zu haben sein – was allerdings meist mit einer separaten Fernbedienung verbunden ist. Einige Fernseher lassen sich mit internen Modulen nachrüsten.

Welche Sender kann ich empfangen?

Das kostenlose Angebot mit Sendern der Öffentlich-Rechtlichen ist das wichtigste Standbein von DVB-T2. Die Programmvielfalt kann auf 40 bis 50 Sender erweitert werden, derzeit sind es nur sechs.

Die Sender von ARD und ZDF werden alle ihre Programme frei verfügbar in HD-Qualität anbieten – das ZDF erwägt, sein Programm sogar in Full-HD (1080p) auszustrahlen, was Blue-Ray-Qualität entspricht.

Viele Entscheidungen stehen jedoch noch aus. Die Landesmedienanstalten haben am Ende das letzte Wort über die Senderbelegung. Für die Privatprogramme wird der Netz- und Plattformbetreiber Media Broadcast die Zuschauer allerdings zahlen lassen: Wie bei Kabel- und Satellitenempfang bereits üblich, soll es für 5 bis 8 Euro im Monat möglich werden, verschlüsselte HD-Sender zu abonnieren. Einige Shoppingprogramme werden sich auch unter den anvisierten 40 Sendern befinden.

Lohnt sich der Ausbau überhaupt?

Erst vor 13 Jahren wurde das digitale DVB-T als „zukunftsweisend“ eingeführt, um die Versorgung über die Hausantenne aufrecht zu erhalten. Der Ausbau dauerte bis 2008, erst dann wurde der auslaufende Standard dem beworbenen Attribut „Überallfernsehen“ einigermaßen gerecht. Weil die technische Entwicklung in Richtung HD aber rasant verlief und die Übertragungsqualität den Zuschauer an modernen TV-Bildschirmen kaum mehr zufriedenstellen kann, müssen die Uhren nach so kurzer Zeit neu gestellt werden. Auch aus wirtschaftlichen Gründen, denn die unter sinkenden Werbeeinnahmen leidenden Privatsender haben lange ihr Interesse an der terrestrischen Übertragung verloren. Die Zeit drängt zudem, denn die Hälfte der bisherigen DVB-T-Kanäle wurde bereits für den Ausbau des mobilen Internets versteigert.

Die kommende Umstellung ist nunmehr ein großer Aufwand für ein relativ kleines Klientel. Denn nur rund zehn Prozent der deutschen Haushalte empfangen Fernsehen hauptsächlich per Antenne – mit sinkendem Anteil – wohl hauptsächlich aufgrund der nicht mehr zeitgemäßen Bildqualität. Bei den Zweitgeräten ist die Quote allerdings deutlich höher. In Schleswig-Holstein lag der DVB-T-Marktanteil 2013 bei immerhin 14,1 Prozent (bei den Erstgeräten)

Was ändert sich technisch?

Der neue Standard erlaubt trotz deutlich besserer Bildqualität eine effektivere Komprimierung mit dem Verfahren HEVC (H.265). Teile des für DVB-T reservierten 700 MHz-Bandes (Kanäle 49 bis 60) werden in Zukunft für den Ausbau des mobilen Breitband-Internets verwendet, das bis 2018 flächendeckend verfügbar sein soll. Für den digital-terrestrischen Rundfunk stehen nur noch die Kanäle 21 bis 48 zur Verfügung.

Deutschland schreitet mit dem neuen Standard im europäischen Vergleich einsam voran, nachdem es der Entwicklung jahrelang hinterhergelaufen war. In über 20 Ländern gibt es bereits DVB-T2-Lösungen, doch diese basieren auf einem älteren Codec.

Werden Smartphones DVB-T2 empfangen können?

Die Mobilfunkanbieter, die ihr Brot zunehmend mit Datentarifen verdienen, werden diese Idee gar nicht erst aufkeimen lassen. Somit haben auch die Produzenten kein Interesse an der Produktion solcher Geräte. Es werden somit weiterhin externe Empfänger benötigt, die sich an Handy, Laptop und Tablet anschließen lassen. Empfangssticks für mobile Geräte für den alten Standard liegen derzeit bei etwa 20 Euro. DVB-T2 orientiert sich von der Grundidee aber an den Bedürfnissen mobiler Nutzer – ob zu Hause, im Wohnmobil oder im Wald.

zur Startseite

von
erstellt am 09.Dez.2015 | 15:49 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen