zur Navigation springen

Online, im Shop oder telefonisch : Handyverträge – Ein Verkäufer redet Tacheles

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vergleichen und nachfragen: Bei der Suche nach einem neuen Mobilfunkvertrag müssen Kunden wachsam sein. Nicht immer handeln die Anbieter im Sinne des Verbrauchers.

Stiftung Warentest hat im Mai die Shops großer Mobilfunkbetreiber unter die Lupe genommen. Das Ergebnis war ernüchternd: Besonders die großen Anbieter wie Telekom und Vodafone schnitten in den Bereichen „Beratung und Service“ schlecht ab. Es wurden teils Verträge angeboten, die eher im Sinne des Betreibers waren und nicht auf die Preis- und Servicevorstellungen des Kunden abzielten.

Mobilfunkanbieter und -tarife gibt es wie Sand am Meer, nicht immer bekommen Kunden ohne Weiteres das günstigste Angebot unterbreitet. Doch es gibt Mittel und Wege, an bessere Konditionen zu kommen.

Wieso? Das erklärt Reinhardt G. (Name geändert), der seit mehr als zehn Jahren in Hamburg als Verkäufer und Shopleiter tätig ist. „Das Problem ist der Faktor Mensch.“ Wie auch in anderen Branchen bekommen Verkäufer Provisionen für Vertragsabschlüsse und es werden Zielvorgaben auferlegt. Wer diese nicht einhält, muss sich vor seinem Vorgesetzten rechtfertigen. „Ein Shop kann schon mal die Zielvorgabe bekommen, 250 Neuverträge in einem Monat zu verkaufen“, berichtet Reinhardt über einen Netzanbieter. Solche Vorgaben seien keine Seltenheit. Häufig könnte es dem Verkäufer somit nicht um eine gute Beratung gehen, sondern um den eigenen Job. Sollte man Verträge beim gewünschten Netzbetreiber also eher im Internet oder per Telefon-Hotline abschließen?

Grundsätzlich sind sich diese Anlaufstellen sehr ähnlich. In beiden Fällen können auf bundesweite Sonderangebote zurückgegriffen werden. Auch die Tarifpreise sind immer gleich. Rabatte wie zum Beispiel für Selbstständige oder Studenten sind je nach Anbieter ebenfalls möglich. Allerdings haben Hotline-Mitarbeiter keinen Spielraum für weitere Vergünstigungen. Wer nun verhandeln will oder eine persönliche Beratung wünscht, landet in der Regel also wieder beim Shop.

Auf den ersten Blick gibt es für den Kunden hier viele Vorteile: Je nach Region kommt es zu Spezialangeboten – zum Beispiel wenn die Konkurrenz gerade in diesem Gebiet stärker vertreten ist. Auch stehen Shops (vereinzelt stark begrenzte) Kontingente an Sonderrabatten zur Verfügung. Bei langjährigen Bestandskunden tauchen sogar weitere Preisvorteile und Angebote im System auf.

Grundsätzlich sollte man im Shop also – mit etwas Glück – gute Konditionen erhalten können. Wäre da nicht der Fakt, dass auch Handyshops wirtschaftlich orientiert sind: So wurde Reinhardt G. in der Vergangenheit zum Regionalleiter zitiert, weil er in einer Beratung aus (finanzieller) Sicht des Kunden agiert hat. Egal, ob eine Renterin nur ihre Prepaid-Karte aufladen möchte: Es geht um den Verkauf von Verträgen. Dazu kommt die Provision, durch die ein guter Verkäufer mit durchschnittlich 1200 Euro sein Monatsgehalt beinahe verdoppeln kann. Vertrag bedeutet dabei aber nicht immer gleich Provision: Sollte der Kunde nach einer Vertragsverlängerung weniger zahlen, kann sich das bei einem speziellen Netzbetreiber negativ auf die Provision des Verkäufers auswirken.

Um dem entgegenzuwirken oder Ziele einzuhalten, entstehen laut Reinhardt G. auch Aussagen wie „In dem Angebot ist übrigens eine Datenkarte extra enthalten!“ Das sei „ein gängiger Trick, bei dem der Kunde erst beim genauen studieren der Vertragsunterlagen bemerkt, dass er nun 15 Euro pro Monat obendrauf zahlt“. Deshalb sollte man Sonderangebote und Zusatzpakete vor Abschluss auf den Zahn fühlen. Reinhardt G. behauptet, er wolle zwar im Sinne des Kunden beraten, doch die Arbeitsbedingungen drängen ihn oft in eine andere Richtung.

Zielvorgaben und Provisionen scheinen also dem Anspruch „guter Service“ entgegenzustehen. Neu- und Bestandskunden können zwar durchaus gute Konditionen im Shop bekommen, doch dafür ist Wachsamkeit gefragt. Auf der sicheren Seite ist man eher durch die Einholung eines Zweitangebots via Hotline oder Online.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen