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Kosten von Ping-Anrufen : Handy-Abzocke: Netzagentur stoppt teure Rückruf-Masche 2018

vom
Aus der Onlineredaktion

Manchmal ist der Rückruf bei verpasstem Anruf nur ein Reflex. Doch der kann teuer werden.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2017 | 12:55 Uhr

Bonn | Das Handy klingelt, manchmal nur eine Sekunde lang, manchmal unbemerkt. Will der Angerufene höflich zurückrufen, drohen ihm trotz Flatrate-Tarifen mitunter horrende Minutenpreise. Denn oft ist das Anliegen des Erstanrufers eine Betrugsmasche. Die Bundesnetzagentur sieht sich nun gezwungen, die florierende Rückrufmasche über die Auslandsnummern zu unterbinden.

Bis spätestens zum 15. Januar 2018 müsse bei solchen sogenannten Ping-Anrufen für bestimmte internationale Vorwahlen eine kostenlose Preisansage geschaltet werden, kündigte der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann am Montag in Bonn an. „Damit machen wir das rechtswidrige Geschäftsmodell wirtschaftlich unattraktiv.“ Verbraucher könnten nach der Warnung vor hohen Kosten für den Rückruf noch auflegen, ohne dass Kosten anfielen.

Die Masche beruht darauf, dass internationale Vorwahlen aus weit entfernten Ländern leicht mit deutschen Vorwahlen verwechselt werden können. So ähnelt die Vorwahl von Madagaskar 00261 der Koblenzer Vorwahl 0261 und die Vorwahl Liberias 00231 der Vorwahl Dortmunds 0231. Bei den Ping-Calls werde aus dem Ausland kurz angerufen, um einen Rückruf zu provozieren. Ruft der Verbraucher zurück, wird er absichtlich mit schwer verständlichen Bandansagen in der Leitung gehalten - die Anrufe kosten häufig mehrere Euro pro Minute.

shz.de beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Ping-Anrufen:

Was sollen Betroffene tun, wenn das Handy klingelt und eine fragwürdige Nummer im Display erscheint?

Die Polizei gibt verschiedene Verhaltens-Tipps: Sie empfiehlt, den Anruf zu ignorieren, die Nummer zu blockieren und keinesfalls zurückzurufen. Wer unsicher ist, ob es nicht doch ein echter Anruf war, könne im Internet nach der Nummer suchen. Gehört sie zu einer Betrugskampagne, finde er dann oft Hinweise dazu.

Die Betroffenen sollten die Nummer dann der Bundesnetzagentur (BNetzA) melden. Dafür gibt es ein Formular auf deren Webseite

Zurückgerufen, was jetzt?

Wenn der Betroffene bereits einen möglicherweise betrügerischen Anrufer zurückgerufen hat, empfiehlt die Polizei, die Rechnung abzuwarten, dann gegebenenfalls den Anbieter zu kontaktieren und gegen die Rechnung Widerspruch einzulegen. Zudem können Angerufene bei der Bundesnetzagentur nachfragen oder auf einer Liste online nachsehen, ob in dem Zeitraum ein Rechnungslegungs- und Inkassierungsverbot für die entsprechende Nummer vorliegt. Wenn die Nummer dort schon aufgelistet ist, hat muss das Betrugsopfer mit Sicherheit nicht bezahlen.

Wie lauten die aktuellen Ping-Nummern?

Der Bundesnetzagentur wurden im Oktober Nummern gemeldet und auf die Liste für Rechnungslegungs- und Inkassierungsverbot gesetzt, die anfangen mit 00216 (Tunesien), 00224 (Guinea), 00225 (Elfenbeinküste), 00248 (Seychellen), 00257 (Burundi) und 00882 (Internationales Netzwerk/Satellitentelefon).

Allerdings lässt sich aus der angezeigten Vorwahl keine verlässliche Aussage über die Herkunft der Betrüger treffen. Die Nummer sagt in der Regel nichts über die Herkunft des Anrufers aus. Die Anzeigenummer kann frei programmiert werden.

Wie funktionieren die Lockanrufe technisch?

Von Betrügern betriebene Computer wählen von Adresshändlern gekaufte oder per Zufall generierte Nummern für so kurze Zeit an, dass die Angerufenen praktisch keine Chance haben, das Telefonat anzunehmen – und nach dem sogenannten Anpingen rufen viele die übermittelte Rufnummer zurück.

Sind Ping-Anrufe rechtlich verboten?

„Ping-Calls“ sind eine schon länger bekannte Betrugsmasche, die der Bundesgerichtshof in einem Urteil aus dem Jahr 2014 für Betrug im Sinne des Strafgerichtsgesetzbuches erklärt hat.

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