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E-Sport in Hamburg : Hamburg wird zum Gaming-Mekka: Was Sie wissen müssen

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Die Pro-Spieler des Dota 2 Turniers gehören zu den besten ihrer Disziplin. Das Preisgeld liegt bei einer Million Dollar.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 11:44 Uhr

Hamburg | Die ESL One in Hamburg am Wochenende ist eines der größten E-Sport Events in ganz Deutschland. Gespielt wird das Strategie-Spiel Dota 2 in der Barclaycard Arena. Die Gaming-Industrie hat den E-Sport in den vergangenen Jahren massiv aufgebaut. Spieler sind in bestimmten Ländern mittlerweile so bekannt wie Hollywood-Stars, gekämpft wird teilweise um siebenstellige Summen. Auch bei der ESL One in Hamburg wird voraussichtlich vor tausenden Zuschauern um insgesamt eine Millionen Dollar Preisgeld gespielt.

Das erwartet Spieler und Zuschauer:

Was ist Dota 2?

<p>Mitglieder vom TNC Pro Team spielen im August in Seattle beim Dota 2 beim E-Sports-Turnier „The International“.  Das Preisgeld liegt bei mehr als 24 Millionen Dollar.</p>

Mitglieder vom TNC Pro Team spielen im August in Seattle beim Dota 2 beim E-Sports-Turnier „The International“.  Das Preisgeld liegt bei mehr als 24 Millionen Dollar.

Foto: dpa

Im Spiel treten je zwei Teams gegeneinander an, beim Turnier messen sich insgesamt acht Mannschaften. In einem Dota-Team spielen fünf Personen. Das Ziel des Spiels ist es, den „Ancient“, das Hauptgebäude der jeweiligen Fraktion, zu verteidigen und die gegnerische Basis zu zerstören. Der Spieler sieht seinen Dota-Charakter aus der Vogelperspektive. Wer erfolgreich kämpft, bekommt in Dota 2 virtuelles Gold, davon kann man sich im Spiel über 100 verschiedene Gegenstände kaufen. Diese helfendabei, sich strategisch gegen seinen Gegner durchzusetzten.   

Zudem erhält der Spieler durch Erfolge im Kampf Erfahrungspunkte. Mit diesen kann er die Fähigkeiten seiner Charaktere verbessern. Ein Held hat in der Regel vier Fertigkeiten, davon drei normale und eine „Ultimate“-Fertigkeit. In Dota 2 gibt es über 100 Helden, die einem der Hauptattribute (Intelligenz, Agilität und Stärke) zugeordnet sind. Es gibt unter den Charakteren zudem Fern- und Nahkämpfer.

<p>Die Heldenauswahl im Spiel Dota 2.</p>

Die Heldenauswahl im Spiel Dota 2.

Foto: Screenshot: www.dota2.com/heroes/
 

Im Spiel gegeneinander ist es wichtig, ein ausgewogenes Team zusammenzustellen. Vereinfacht bedeutet das: Eine Balance zwischen Charakteren, die den Klassen Agilität, Intelligenz und Stärke zugeordnet sind und zwischen Nah- und Fernkämpfern. Auch die Zusammenarbeit und die Koordination der Spieler untereinander ist existenziell.

Das E-Sport-Event

Die Zuschauer fiebern beim Dota-Turnier in den USA mit ihren Teams mit.

Die Zuschauer fiebern beim Dota-Turnier in den USA mit ihren Teams mit.

Foto: dpa
 

Wer das erste Mal ein E-Sport-Event sieht, dem wird es vorkommen, wie eine Mischung aus Public-Viewing der Fußball-Weltmeisterschaft und einem Boxkampf. Hunderte Zuschauer sitzen vor einer Bühne, auf der Computer aufgebaut sind. Darüber ist eine große Leinwand platziert. Der Sprecher auf der Bühne heizt die Stimmungan, bevor die Teams in Trikots unter Applaus in die Halle schreiten. Sie nehmen hinter den Computern Platz, setzen ihre Headsets auf und beginnen mit dem Spiel.

Das Spielgeschehen wird auf der Leinwand übertragen. Ähnlich wie beim Fußball gibt es Kommentatoren, Aufnahmeleitung und Regie. Der Kommentator führt durch das Spiel, während auf dem Bildschirm für die Zuschauer verschiedene Spieler-Perspektiven zu sehen sind. Zudem wird der Punktestand und die „Gesundheit“ der Spieler angezeigt. Das ist bei den Events üblich, wie auch das Video von der ESL One in Genting zeigt.

Dabei erschließt sich Zuschauern, die das Spiel nicht kennen, kaum die Spannung, die in den Duellen liegt. Das liegt nicht nur daran, dass sie Strategien, Spielzüge und Charakterwahl nicht zuordnen können, sondern auch am Vokabular. Hier eine kleine Auswahl an „Dota-Wörtern“, die aber auch in anderen Spielen genutzt werden:

„Bait“

Bezeichnet das Anlocken von Gegnern, indem der Spieler so tut, als wäre ein Charakter hilflos und seinem Gegenüber ausgeliefert. Das ist zu vergleichen mit dem Torwart, der seinem Gegenspieler bewusst die kurze Ecke anbietet.

„Buff“

Ein nützlicher Zauber oder positiver Effekt auf eine Einheit des Spielers.

„Carry“

Der Carry, ist der Held, der am Ende eines Matches viel Schaden anrichten kann. Dafür muss der Spieler viel Gold auf ihn verwenden und Erfahrungspunkte sammeln, um ihn besonders stark zu machen.

„gg“

Das steht für „good game“ und ist ein Kompliment an Mitspieler und Gegner.

„Push“

Wenn ein Spieler seine Teamkollegen zum Push aufruft, will er einen gegnerischen Turm oder die Basis quasi in einer Welle angreifen. Auf ein Fußballspiel übertragen, lässt sich diese Taktik mit starkem Pressing vergleichen.

„Stun“

Ein Zauber, der den Gegner quasi einfriert. 

„Wipe“

Der Begriff wird genutzt, wenn alle Teammitglieder in einem einzigen Kampf aus dem Spiel ausgeschieden sind.

Neben dem Dota2-Turnier

Die Zuschauer kommen nicht nur in die Barclaycard Arena, um das Turnier zu sehen, sondern auch, um ihre Lieblingsteams zu treffen und sich Autogramme zu holen. In der E-Sport-Szene sind einige unter ihnen Superstars und Vorbilder. Mit „Team Liquid“ und „Newbee“ gehen zwei der Top Dota-Teams ins Turnier. Der Kapitän vom „Team Liquid“ ist der deutsche Kuro Takhasom. Er feiert während des Turniers seinen 25. Geburtstag. Die sechs Teams und ihre Spieler kommen aus aller Welt: Brasilien, Australien, China, Schweden, Russland, Malaysia und den Phillipinen.

Ist E-Sport-Profi ein Beruf?

Ähnlich wie im sportlichen Wettkampf gilt der als Profi, der den E-Sport als Erwerbstätigkeit ausübt. Professionelle Spieler werden als Pro-Gamer bezeichnet. Ihr Können hebt sich vom durchschnittlichen Spieler ab. Ihre Hand-Auge-Koordination, ihr Spielverständnis und das taktische Verständnis sind überragend.

Was sind Clans?

Organisierte Mannschaften und Vereine heißen im E-Sport traditionell Clans. Der Begriff stammt aus dem Computerspiel Quake. Dort konnten sich Spielervereinigungen offiziell als Clan registrieren lassen. Bei MMORPGs (Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspielen) haben sich die Bezeichnungen Gilde, Bündnis und Allianz durchgesetzt.

Trainieren E-Sportler?

Ja, das Training ist dabei auf die speziellen Anforderungen des Spiels zugeschnitten. Die E-Sportler trainieren online und offline. Im Offline-Training üben die Teams Taktiken für bevorstehende Wettkämpfe. Dabei übernimmt häufig der Mannschaftskapitän auch die Rolle des Trainers. Eine Trainerausbildung gibt es im E-Sport nicht.

Welche Fußball-Bundesligisten lassen auch virtuell spielen?

Jüngster Neuzugang unter den E-Sport-Bundesligisten ist der VfB Stuttgart. Sie lassen ihre E-Sportler in der FIFA-Liga, einem Fußballsspiel für die Konsole, antreten. Der VfL Wolfsburg hatte als erster Fußball-Verein ein Team. Schalke 04 wagte den Einstieg in den E-Sport im Frühjahr 2016 mit League of Legends. RB Leipzig hat seit August 2017 eigene E-Spieler.

Außerdem gibt es auf dem Event einen Cosplay-Wettbewerb unter dem Motto Dota 2. Dabei wir das beste Kostüm gekürt. Die Teilnehmer verkleiden sich dafür, wie ein Held aus dem Spiel. 

Wer nicht vor Ort in der Halle ist, kann sich das Dota 2-Turnier auf Twitch im Live-Stream ansehen.

Daten und Fakten zum Thema E-Sport:

Was ist E-Sport?

Beim E-Sport (elektronischer Sport) treten Mannschaften oder Individualsportler in Computer- und Konsolenspielen gegeneinander an. Der Wettkampf wird in der Regel über den Mehrspielermodus des Spiels ausgetragen. Die Regeln werden durch das Spiel selbst und den Veranstalter des Wettkampfs festgelegt.

Ist E-Sport ein Sport?

E-Sport wird in Deutschland nicht als Sportart anerkannt. Daran hat die Organisation in Ligen, die Stadionatmosphäre und die Preisgelder bisher nichts geändert.

Wo ist der E-Sport am erfolgreichsten?

In Südkorea feiert der E-Sport die größten Erfolge mit den meisten Zuschauern. Auch die koreanische Regierung ist im wettbewerbsorientierten Gaming involviert und unterstützt den Dachverband: die Korea E-Sports Association (KeSPA).

Das Asiatische Olympische Komitee gibt zudem bekannt, dass E-Sport eine offizielle Sportart bei den Asienspielen 2022 in der chinesischen Stadt Hangzhou werden soll.

Welche Spiele werden im E-Sport gespielt?

League of Legends (LoL), Dota2, Star Craft II gehören zu den wichtigsten: Mehrere Spieler durchqueren mit den Figuren ein Fantasy-Spielfeld und zerstören die Basis des Gegners. Star Craft II ist der Klassiker, aus dem Dota2 und LoL entstanden sind. Für Fußballclubs ist besonders das Simulationsspiel FIFA interessant. Aber auch „Shooter“ wie Counter-Strike, Halo oder For Honour werden bei großen Turnieren und in organisierten Ligen gespielt.

Gibt es so etwas wie eine 1. Bundesliga des E-Sports?

Die meisten Turniere werden von der wichtigsten Liga organisiert, der Electronic Sports League (ESL). 2016 gab es für Dota2 weltweit 172 große Turniere, für LoL 243. Auch LoL hat ein großes Ligensystem, die Championship Series LCS. Dort spielt etwa Schalke 04 im Europa-Ableger. Für FIFA gibt es auch in Deutschland eine virtuelle Bundesliga.

Eine ESL Pro League gibt es aktuell für die „Shooter“ Counter-Strike: Go, Halo, For Honour, Rainbow-Six: Siege und S.K.I.L.L.. Die Preisgelder in diesen Ligen sind hoch. Etwa in der Counter Strike Pro League liegt das Preisgeld 2017 etwa bei einer Million US-Dollar.

Beim ESL Finale in New York standen sich die Top E-Sport Teams „Team Liquid“ und „FaZe“ gegenüber.

Wie viele Spieler gibt es in der ESL?

In der ESL sind weltweit mehr als 6,2 Millionen aktive Gamer organisiert. Dota2 spielen via Spiele-Plattform „Steam“ täglich gleichzeitig gut 600.000 Personen. 

Wie groß ist das Publikum bei E-Sport Turnieren?

2016 verfolgten 214 Millionen Fans laut einem Branchenbericht die Turniere, vor allem über den Streamingdienst Twitch. In den USA und Südkorea übertragen auch TV-Sender die Events.

Wie hoch sind die Preisgelder und wie viel Umsatz wird erwirtschaftet?

2016 machte der organisierte E-Sport weltweit knapp 800 Millionen Euro Umsatz, drei Viertel davon durch Sponsoren und Werbung. Zum Vergleich: Das ist fast ein Drittel der Einnahmen der Fußball-Bundesliga in der Saison 2015/16.

Dota 2 schüttet umgerechnet mehr als 23 Millionen Euro an Preisgeld aus. Fans gaben Schätzungen zufolge in diesem Jahr mehr als 200 Millionen Euro für Merchandising, Tickets und anderes aus, das ist ein Drittel mehr als noch im Vorjahr. Das meiste Geld wird in Asien umgesetzt.

Hat der E-Sport Zukunft?

Einer Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte nach wächst das Interesse an digitalen Sportwettkämpfen. „Bis 2018 wird sich E-Sport weltweit zu einem Milliardengeschäft entwickeln. Auch in Deutschland ist diese Tendenz zu beobachten“, sagt der Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte, Karsten Hollasch. Schätzungen zufolge könnte allein das deutsche Marktvolumen in weniger als drei Jahren etwa 130 Millionen Euro betragen - das entspreche einem durchschnittlichen Wachstum von mehr als 25 Prozent.

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