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„German Cybersecurity Challenge“ : Der Hacker-Nachwuchs greift an

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Cyberangriffe nehmen zu - doch wo sind die Leute, die sie verhindern? Ein Flensburger Student steht in den Startlöchern.

Flensburg | Wo Software ist, da sind auch Fehler. Und diese Fehler können verheerend sein – zuletzt wurde das am Dienstag deutlich, als Wirtschaftsunternehmen auf der ganzen Welt mit einem Schadprogramm infiziert wurden, das sich in einem Software-Update versteckte. „Jede neue Technologie hat eine Lücke“, sagt Dennis Krause. Sie könne aus Fehlern im Programmiervorgang entstehen und somit gar in einer bestimmten Funktion stecken, die eigentlich nützlich sein soll.

Diese Lücken möchte der 26-Jährige, der aus Ratzeburg kommt und an der Hochschule Flensburg Angewandte Informatik studiert, finden. Er ist ein Hacker, der sich für das Gute einsetzt. Ihm liegt nicht daran, die entdeckten Softwarefehler an den Meistbietenden zu verkaufen. Auf dem Schwarzmarkt werden solche Sicherheitslücken für viel Geld gehandelt – und gelangen schnell in die Hände Krimineller. „Die Lücken zu verkaufen ist fast lukrativer, als sie an Firmen und Entwickler zu geben“, weiß auch Krause, der neben seinem Studium als Webentwickler arbeitet. Doch das sei nicht seine Welt. Er wolle helfen, Cyber-Angreifern den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem er die Entwickler über Sicherheitslücken in Kenntnis setzt. So können diese den Programmcode reparieren, bevor ein anderer die Schwachstelle findet.

Szenarien, die längst nicht mehr nur Fiktion sind. Auch Krauses Interesse am Hacken wurde durch einen realen Fall geweckt, der auch sein direktes Umfeld betraf: Vor etwa zwei Jahren wurden bundesweit Mensakarten manipuliert. Hacker hatten aufgeladenes Guthaben auf andere Karten transferiert. „Man hat live gesehen, wie leicht Schaden entstehen kann.“

Doch es gelte nicht nur, die Technologie sicher zu machen, auch an das Bewusstsein der Anwender müsse man ran, sagt Krause – und das sei bei Firmen und Institutionen ebenso wie bei Privatpersonen noch nicht ausgeprägt genug. Eine Herausforderung, der ein Berufs-Hacker gewachsen sein muss: „Hacker sind normale Leute, die besonderes technisches Interesse haben“, sagt Krause. Unflexibel und sozial inkompetent zu sein und nur im stillen Kämmerlein am Computer sitzen zu wollen, könne man sich heute nicht mehr leisten. Es gebe immer Neues zu entdecken, neue Lücken zu finden und das Vorgehen mit dem Auftraggeber zu besprechen. „Man bleibt nicht stehen“, sagt er – eine Anforderung, die Krause reizt.

Um in unbekannter Software Lücken zu finden, müsse man außerdem Spaß am Rätselraten mitbringen. Dass er den hat, hat Krause gerade bewiesen: Bei der „German Cybersecurity Challenge“, einem Wettbewerb für Nachwuchs-Hacker, hat er es aus 561 Talenten unter die Top-Ten geschafft. Dafür hat er sich durch mehrere Online-Aufgaben gehackt, Daten entschlüsselt und Passwörter herausgefunden. Am kommenden Dienstag steht er in Düsseldorf im deutschen Finale.

Das Ziel des Wettkampfs: Nachwuchs fördern. Denn während die Nachfrage nach Fachkräften für IT-Sicherheit kontinuierlich steigt, kommt keine adäquate Anzahl von Bewerbern hinterher. Deshalb findet am Tag nach dem großen Finale auch eine Jobmesse statt, auf der sich Nachwuchs und künftige Arbeitgeber kennenlernen können. Für Dennis Krause steht als nächstes die Bachelorarbeit an. Wie es dann weitergeht, entscheidet sich vielleicht schon in Düsseldorf.

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erstellt am 04.Jul.2017 | 13:16 Uhr

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