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Datenschutz : Hacker-Apps greifen Smartphones an

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Fotos, Telefonnummern oder der nächste Arzttermin: Hacker erhalten häufig über Apps Zugriff auf Handys und damit auch auf wichtige Daten. shz.de gibt Tipps für Smartphone-Nutzer.

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erstellt am 07.Mai.2014 | 08:41 Uhr

Kiel | Private Fotos, Kontaktdaten von Freunden und Familie, Bankgeschäfte – das Smartphone beherbergt eine Menge sensibler Daten. Und wird damit zu einem wichtigen Angriffsziel der Hacker-Szene. 38 Prozent der Internetnutzer wurden im vergangenen Jahr Opfer von Cybercrime. Das ergab eine gestern veröffentlichte Studie des Technikverbands Bitkom. Das entspreche runde 21 Millionen Betroffenen, bei denen Computer und Smartphones mit Schadprogrammen infiziert (24 Prozent) oder Zugangsdaten für Online-Shops ausgespäht (14 Prozent) wurden. Zwar sind die Angriffe nicht immer gefährlich, doch jeder Zehnte hat der repräsentativen Umfrage zufolge durch Schadprogramme oder infolge eines Datendiebstahls einen finanziellen Schaden erlitten.

„Smartphone-Nutzer tun noch zu wenig für ihren Grundschutz“, sagt Sebastian Barchnicki vom Institut für Internet-Sicherheit der Westfälischen Hochschule. Auf dem Smartphone könnte das zum Verhängnis werden. „Täter können sich mit Hilfe des Adressbuches und dem Zugriff auf SMS-Nachrichten ganze Identitäten zu eigen machen. So lässt sich dann mit etwas Kreativität von Freunden oder Verwandten Geld ergaunern“, warnt Barchnicki. Auch der Einblick in die Privatsphäre biete Risiken, wenn beispielsweise kompromittierende Fotos plötzlich im Internet auftauchen. „Das sind mitunter existenzgefährdende Angriffe“, so Barchnicki.

Die Täter führen auf mobilen Geräten ihre auf PCs erfolgreich genutzten Methoden fort. So entdeckte ein Sicherheitsspezialist der IKARUS Security Software GmbH kürzlich, dass Hacker mit dem sogenannten Bundespolizeitrojaner jetzt auch mobile Endgeräte angreifen. Einmal installiert, sperrte die Schadsoftware auf Computern alle Daten und fordert im Namen der Behörde für die Herausgabe ein Lösegeld. Viele Nutzer fielen auf die Masche herein. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik rät, den Betrag in keinem Fall zu bezahlen. Auch auf dem Handy sperrt die Schadsoftware das ganze Gerät. Der Besitzer kann nur das Passwort erraten, will er nicht ein Lösegeld bezahlen. Das ist durch die Menge an möglichen Zahlenkombinationen äußerst unwahrscheinlich. Ob die Täter das Gerät freischalten, wenn sie Geld, erhalten ist ebenfalls fraglich.

„Smartphones sind einem erhöhten Sicherheitsrisiko ausgesetzt“, sagt der Kieler Sicherheitsexperte Dr. André Hojka. „Die Geräte sind ständig online und werden selten komplett abgeschaltet“, so der Fachgruppenleiter für IT-Sicherheit beim Verein Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein. Zusammen mit seinem Kollegen Kai Kudlek berät er für die Vater Gruppe in Kiel Unternehmen zur Informationssicherheit. „Die größte Gefahr bergen Programme, die sich Nutzer außerhalb der offiziellen App-Stores besorgen“, erklärt Kudlek. Wer eine App installiert, sollte immer sicher sein, dass sie bei Android-Systemen aus dem Google Play Store und bei Apple-Geräten aus dem App Store kommt. Es gibt auch Apps die außerhalb dieser Anbieter installiert werden können. Sie unterliegen jedoch keiner Kontrolle.

Ein gesundes Misstrauen empfiehlt Sebastian Barchnicki vor allem bei kostenlosen Apps mit Werbebannern: „Durch einen Klick auf diese Werbebanner können Nutzer auf Abofallen weitergeleitet werden, die sich unbemerkt aktivieren. Ich würde diese Apps meiden und auf werbefreie Vollversionen setzen.“ Wichtig seien bei allen Programmen auf dem Smartphone die Zugriffsrechte der jeweiligen App. „Eine Taschenlampen-App benötigt keinen Zugriff auf mein Adressbuch. Das ist häufig ein Hinweis auf Schadsoftware“, erklärt der Sicherheits-Experte. Wer außerdem eine App nicht mehr nutzt, sollte sie löschen.

Für den Fall, dass das Handy verloren geht und in die falschen Hände gerät, sollten Nutzer Fernlösch-Funktion auf ihren Geräten aktivieren. „So lassen sich sensible Daten vielleicht noch schützen“, sagt Kai Kudlek. Dann sind jedoch auch alle Kontaktdaten und Urlaubsfotos weg. „Eine regelmäßige Datensicherung bietet sich deshalb an“, fügt André Hojka hinzu.

Die Frage, ob sich Nutzer einer Antivirus-App sicher fühlen können, verneint Sebastian Barchnicki: „Software kann den Nutzer nicht vor sich selbst schützen. Viel wichtiger sind gesunder Menschenverstand und scharfes Hinsehen.“

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