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B5-Ausbau : Grüne fordern vernetzte Straße gegen Staus

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Bundesstraße 5 ist für Staus, Unfälle und Schlaglöcher berüchtigt. Mit ihrem Ausbau könnte sie aber Schleswig-Holsteins Vorzeige-Straße werden.

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erstellt am 15.Jan.2016 | 17:27 Uhr

Ein Ruckeln geht durch das Auto, der Fahrer schimpft – schon wieder ein Schlagloch erwischt. Doch dieses Schimpfen könnte bald gehört werden, zumindest wenn es nach Schleswig-Holsteins Grünen geht. Sie wollen, dass die Westküste des Landes von einer intelligenten Straße durchzogen wird – sozusagen einer nicht nur physisch, sondern auch digital aufgemöbelten Bundesstraße 5 von Heide bis ins benachbarte Dänemark hinein.

„Digitalisierung im Straßenverkehr ist DAS Thema“, sagt Ruth Kastner, Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. Eine smarte Straße könnte Unfällen und Staus vorbeugen, indem sie den Fahrer vor Hindernissen warnt und Empfehlungen gibt, oder durch von den Fahrzeugen gesammelte Daten Informationen über Straßenschäden frühzeitig an die verantwortliche Stelle übermittelt. Denn: „Infrastruktur ist intelligenter als Beton“, sagt Kastner. Deshalb hatte sie im vergangenen Sommer auch die Idee formuliert, die B5 von Heide bis über die dänische Grenze hinaus parallel zum geplanten Ausbau auch mit internetfähigen Sensoren auszustatten. Und das im Land der weißen WLan-Flecken, kaum vorhandenen Breitbandanbindung und kaputten Straßen. Ihr Ziel: Die Mobilität verbessern durch schlaue Straßen, die über eine digitale Infrastruktur verfügen, also WLan-fähig und aktiv Datensaustausch erlauben – versorgt mit Glasfaserkabeln und Kommunikationsschnittpunkten. „Wir müssen in diese Richtung gehen, wenn wir den Anschluss behalten möchten“, sagt Kastner. Die Entwicklung zum vernetzten Verkehr sei in vollem Gange. „Es ist gut, wenn wir von Anfang an dabei sind.“

Auch Ken Blöcker, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Unterelbe-Westküste, sieht in dem Vorschlag eine „gute Investition in die Zukunft – es ändert aber nichts daran, dass der derzeitige Zustand der B5 katastrophal ist“. Wenn sowieso ausgebaut werde, dann solle man auch aufrüsten – immer vorausgesetzt, der geplante Ausbau werde nicht verzögert. „Der physische Unterbau muss in Ordnung sein“, sagt Blöcker.

In punkto Datenschutz sind für viele Probleme und Fragestellungen noch nicht die Rahmenbedingungen geschaffen, um gleich loslegen zu können. Man habe aber bereits im Sommer Kontakt zu Ruth Kastner aufgenommen, um von Beginn an die Planungen unterstützen zu können, sagt Schleswig-Holsteins oberste Datenschützerin Marit Hansen. Fragen rund um die Verkehrstelematik – also die Vernetzung der Fahrzeuge mit der Umgebung oder anderen Autos – würden auf Bundes- und Länderebene in den Datenschutzbehörden diskutiert und Standards entwickelt. „Wichtig ist mir, dass die Standards, die in dieser Zeit festgelegt werden, die Datenschutzanforderungen berücksichtigen.“ Die technische Gestaltung müsse verhindern, dass Profile erstellt werden, wer wann welchen Weg nimmt. Für eine sinnvolle Nutzung der Daten sei es nicht unbedingt erforderlich, sie lange oder in einer zentralen Datenbank zu speichern, sagt Hansen.

An einem ersten Teilstück zwischen Itzehoe und Wilster (Kreis Steinburg) sollen im Juni die Bauarbeiten für eine dreispurige B5 beginnen, teilte Verkehrsminister Reinhard Meyer in dieser Woche mit – ob dann auch Maßnahmen hin zu einer intelligenten Straße getroffen werden, ist fraglich. Zusätzlich zu der Kostenschätzung für den dreispurigen Ausbau von rund 15,5 Millionen Euro, die derzeit überprüft und aktualisiert werde, haben die Grünen für eine sichere WLan-Basisinfrastruktur in einem ersten Schritt zwischen 50  000 und 100  000 Euro für einen Kilometer Straße veranschlagt. Auf Anfrage lassen Verkehrsministerium und Staatskanzlei nur verlauten, die Idee sei „ein interessanter Vorschlag“ und werde „im Rahmen des Mobilitätskonzeptes 2030 intensiv diskutiert“. Mehr Informationen gibt es nicht aus dem Landeshaus. Auch der Bund fühlt sich bislang nicht zuständig. Um eine Chance auf EU-Gelder für ein grenzüberschreitendes Projekt zu haben, muss man sich aber bis spätestens Ende Februar geeinigt haben – dann endet die Bewerbungsfrist für eine Förderung.

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