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Alphabet und Sundar Pichai : Google-Umbau: Alles für diesen Mann

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Google gründet eine Holding namens Alphabet. Ein strategischer Schritt? Wohl eher eine Personalie.

„Google ist kein gewöhnliches Unternehmen. Und wir wollen auch keines werden.“ Diesen Satz aus einer elf Jahre alten Mitteilung hat Google-Gründer Larry Page wieder herausgekramt, um zu erklären, was da gerade passiert.

Google baut um. Die Suchmaschine soll Tochter einer Dachfirma namens Alphabet werden. Darunter kommen dann weitere Firmen wie Nest für Haushaltselektronik oder Google X für Forschung. Google überrascht damit, und der Reflex an der Börse ist zunächst positiv: Die Aktie legt um rund sechs Prozent zu.

Google ist neben Facebook der größte und wichtigste Internetkonzern der Welt. An der Börse ist Google 444 Milliarden Dollar wert. Das Unternehmen ist mit seiner Suchmaschine und dem Smartphone-Betriebssystem Android Teil unsere Alltags. Zu Google gehört auch die Videoplattform Youtube, aber auch der Haushaltsgerätehersteller Nest. Google forscht an einer Reihe von Themen, etwa Drohnen, die Pakete ausliefern oder selbstfahrende Autos.

Branchenkenner halten sich mit klaren Pros oder Kontras auffällig zurück, dafür kommt der Schritt zu unerwartet. Viele kommentieren, Page und sein Mitgründer Sergey Brin würden Warren Buffett nacheifern. Die US-Investmentlegende hat ein Imperium aufgebaut mit Beteiligungen an Versicherungen, Lebensmittelkonzernen oder Eisenbahngesellschaften. Buffett wurde so je nach Zählweise und Börsenschwankung reichster bis drittreichster Mann der Welt. Über allem schwebt die Holding Berkshire Hathaway, die das Imperium zusammenhält. Und genau eine solche Struktur wollen Page und Brin jetzt nachbauen - aus Bewunderung für Buffett. Dafür spricht der Hinweis aus jener Mitteilung von 2004: „Vieles hier wurde inspiriert durch die Essays von Warren Buffett.“

Praktische Konsequenzen hat der Umbau zu Alphabet kaum. Wirtschaftstheoretiker streiten quasi seit Jahrhunderten über die beste Konzernstruktur. Die einen meinen, eine Holding sei besser, die anderen, eine starke operative Führungsgesellschaft. Im Grunde, so alle Erfahrung, ist das egal, solange das Geschäft gut läuft und das Management gut arbeitet.

Genau hier liegt der eigentliche, zumindest kurz- bis mittelfristige Grund für Alphabet: das Management. Genauer gesagt ein Manager. Der gebürtige Inder Sundar Pichai wird Chef der durch den Umbau leicht abgespeckten Kernfirma Google. Der 43 Jahre alte Pichai ist bislang für Android und das Online-Geschäft zuständig und gilt als wertvollster Mitarbeiter Googles. Andere Techfirmen sollen ihn heftig umwerben. Eine Beförderung war offenbar geboten.


Sundar Pichai auf der Google-Entwicklerkonferenz I/O im Mai 2015.

Sundar Pichai auf der Google-Entwicklerkonferenz I/O im Mai 2015.

Foto: dpa/Christoph Dernbach

Pichai stammt aus dem südindischen Staat Tamil Nadu. In die USA kam er 1993 mit einem Stipendium für die kalifornische Elite-Uni Stanford, um Halbleiter-Physik zu studieren. Seine Eltern mussten in die Ersparnisse greifen, um für das Flugticket 1000 Dollar zusammenzukratzen. Es war mehr als ihr jährliches Einkommen, erzählte Pichai dem Magazin „Bloomberg Businessweek“. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Das erste Telefon bekam die Familie, als Sundar zwölf Jahre alt war. Ihr übliches Fortbewegungsmittel war ein Motorroller, auf den sie zu viert stiegen. Sundar fuhr vorne im Stehen.

Zu Google kam Pichai vor gut einem Jahrzehnt. Er trat am 1. April 2004 an - dem Tag, an dem der E-Mail-Dienst des Internet-Konzerns gestartet wurde, was auch er anfangs für einen der üblichen Aprilscherze der Firma hielt. Seine erste Aufgabe war die Arbeit am Google-Suchfenster in Browsern wie Firefox oder Microsofts Internet Explorer. Pichais Vorschlag, Google sollte einen eigenen Browser entwickeln, überzeugte die Gründer - und der Erfolg von Chrome war seine Eintrittskarte in die Chefetage des Konzerns.  (dpa)


Pichai zum Chef eines unveränderten Unternehmens Google zu machen, hätte aber komisch ausgesehen. Denn schließlich hatte Larry Page 2011 Eric Schmidt als Google-Chef abgelöst und den Eindruck erweckt, das werde auch eine Weile so bleiben. Nun ist Page Chef von Alphabet und damit auch Chef von Pichai. Der kann Google-Chef werden und so langfristig gebunden. Personalpolitisch ist das ein kluger Schachzug.

Ob die neue Unternehmensstruktur das auch wird, muss die Zeit zeigen. Zunächst steht ein Signal: Wir wollen wachsen und auch zukaufen jenseits des Kerngeschäfts Suchmaschine. Am Ende wird man vermutlich feststellen: Der Konzernumbau war eigentlich egal. Entscheidend war die Qualität des Managements. Und die hängt jetzt, deutlich mehr als zuvor, an der Person Sundar Pichai.

Die Mitteilung von Larry Page vom 11. August 2015.

Die Mitteilung der Google-Gründer aus dem Jahr 2004.

Die Website der neuen Holding Alphabet

welt.de berichtet über eine versteckte Botschaft in der Mitteilung von Larry Page zu „Alphabet“ und „XYZ“.

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erstellt am 11.Aug.2015 | 10:44 Uhr

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