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Digitale Bildung : Glasfaser – Land SH bringt Schulen ans schnelle Netz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein anspruchsvolles Projekt: Bis 2020 sollen alle Schulen via Glasfaser ans Landesnetz angeschlossen sein.

Online-Recherche für die Projektarbeit – das ist heute eigentlich selbstverständlich, geht aber nur, wenn die Verbindung nicht allzu langsam ist und nicht zusammenbricht, sobald eine ganze Schulklasse gleichzeitig beginnt, im Netz zu surfen. Bald soll es im Norden keine Probleme mehr geben, digitale Medien ganz selbstverständlich im Unterricht einzusetzen. Das Land hat begonnen, ein anspruchsvolles Projekt umzusetzen: Jede der rund 800 Schulen soll bis zum Jahr 2020 ans Glasfasernetz angeschlossen sein. Am Dienstag wurde die Transformation an den ersten zwei Schulen in Flensburg – der Auguste-Viktoria-Schule und dem Alten Gymnasium – umgesetzt. Es sei geplant, bis zum kommenden Juni 32 Schulen per Glasfaser ans Landesnetz anzuschließen, stellt Sven Thomsen, IT-Leiter beim Zentralen IT-Management des Landes, in Aussicht.

Bereits heute sind die Schulen als Landesdienststellen für den Verwaltungsteil ans Landesnetz angeschlossen, vielfach aber nur über Kupferleitungen. Das soll sich nun ändern und Glasfaser im Auftrag des Landes direkt bis in jede Schule gelegt werden. Diejenigen Schulen, die nicht an die leistungsfähige Technik angeschlossen werden können, sollen per Richtfunk oder über andere Techniken ans Landesnetz geknüpft werden. Die Versorgung mit schnellem Internet sei eher Beifang gewesen, sagt Sven Thomsen. Aber ein wichtiger. „Jede Schule ist aufgefordert, ein Medienkonzept zu entwickeln“, sagt Thomas Losse-Müller, Chef der Kieler Staatskanzlei.

Bei der Umsetzung soll das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH) beraten: Welche Endgeräte bieten sich an, welche Lernmaterialien können sinnvoll sein und wie werden sie am besten im Unterricht eingesetzt. Es gehe darum, die Erklärungen der Kultusministerkonferenz (KMK) in die Fläche zu bekommen, sagt Thore-Olaf Kühn, am IQSH zuständig für den Bereich Medienfortbildung. Ein Ziel der KMK ist es, dass „möglichst bis 2021 jede Schülerin und jeder Schüler jederzeit, wenn es aus pädagogischer Sicht im Unterrichtsver-lauf sinnvoll ist, eine digitale Lernumgebung und einen Zugang zum Internet nutzen können sollte“. Voraussetzungen dafür sei unter anderem eine funktionierende Infrastruktur und eine entsprechende Qualifikation der Lehrkräfte. „Es reicht nicht, nur die Geräte hinzustellen“, sagt Kühn. Man wolle „keine Papiertiger produzieren“, sondern ein landesweites Netzwerk aufbauen, in dem Lehrer und Schulen voneinander lernen.

Beim Anschluss an das Glasfasernetz durch das Land können Schulen auswählen, ob sie ein „rohes“ oder ein „pädagogisches“ Internet zur Verfügung gestellt bekommen wollen. Roh sei vor allem für jene Schulen interessant, die bereits auf ein bestehendes System zurückgreifen können, erklärt Thomsen. Hierbei wird nur der Internetanschluss zur Verfügung gestellt. Viele größere Schulen hätten bereits funktionierende Infrastrukturen und Einstellungen umgesetzt; das Angebot eines vom Land kuratierten „pädagogischen“ Netzes sei also vorwiegend für Schulen interessant, die bislang in der Richtung noch nicht aktiv waren.

In der zweiten Variante würden gängige Jugendschutzanforderungen und empfohlene Filter umgesetzt, erklärt Thomsen. Jugendgefährdende Inhalte wie Pornografie, Gewaltdarstellung oder rechtsradikale Inhalte werden an zentraler Stelle im Landesnetz gesperrt. Es sei aber auch möglich, die Filter individuell auf die Bedürfnisse der einzelnen Schule hin einzustellen. Das beinhalte sowohl weitere Sperrungen als auch das manuelle Freischalten fälschlicherweise gesperrter Seiten. Es werde niemandem einmalig ein System aufgedrückt und dann damit allein gelassen, erklärt Thomsen. Man sei weiter für die Pflege und den Service am Landesnetz – und damit auch dem gefilterten Internetangebot – verantwortlich. Für die Wartung und den Betrieb rechne man ab dem Jahr 2020, wenn alle Schulen angeschlossen sein sollen, mit jährlich 13 Millionen Euro. Für die Baumaßnahmen seien 43 Millionen Euro aus Landesmitteln eingeplant, sagt Thomsen.

Der flächendeckende Glasfaser-Anschluss aller Schulen im Land habe einen weiteren Vorteil, betont Staatssekretär Losse-Müller: Je weiter das Glasfasernetz in die Fläche hineinverlegt sei, desto niedriger sei die Schwelle, auch die umliegenden Regionen von Gemeinden anzuschließen. Zudem könne die bessere Vernetzung erheblich zur Attraktivität eines Standorts beitragen.

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erstellt am 03.Apr.2017 | 12:00 Uhr

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