Fligges Netzwelt : Gesichtserkennung: Kameras, die mitdenken

Im Test sollen Bürger, die nicht aufgezeichnet werden wollen, an der Videoüberwachung vorbeigeschleust werden.
Im Test sollen Bürger, die nicht aufgezeichnet werden wollen, an der Videoüberwachung vorbeigeschleust werden.

Pilotprojekt: Am Berliner Bahnhof Südkreuz sollen Überwachungssysteme Gesichter erkennen.

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13. April 2017, 09:40 Uhr

Was auf Smartphones zum Standard gehört, soll jetzt auch in der öffentlichen Video-Überwachung Einzug halten: Gesichtserkennung. Nur dass es nicht um Selfies und Familienaufnahmen, sondern um Taschendiebe, Gewaltverbrechen und hilflose Menschen geht. Am Berliner Bahnhof Südkreuz wollen das Bundesinnenministerium, Deutsche Bahn, Bundespolizei und Bundeskriminalamt im dritten Quartal 2017 mit einem sechsmonatigen Test beginnen.

Dafür füttern Freiwillige eine Datenbank mit ihren Fotos. Die Frage wird dann sein, ob die Kameras die Personen automatisch erkennen. Technologisch ist das fast schon keine Besonderheit mehr. Nur wenn eine Regierung – Verbrechensbekämpfung hin oder her – auf diese Möglichkeiten zurückgreift, bleibt ein ungutes Gefühl.

Jemand bricht mit einem Schlaganfall zusammen, das System alarmiert Helfer. Ein Taschendieb mit Hausverbot nähert sich, die Polizei wartet schon. Alles gut. Nur mit unserem Verständnis von Persönlichkeitsrechten ist das schwer vereinbar. Falsche Verdächtigungen aufgrund von Programmierpannen oder Hackerangriffen bis hin zur Totalüberwachung – keine unwahrscheinlichen Szenarien. Auch ohne dass etwas passiert, wird man sich zukünftig wohl ständig beobachtet fühlen.

Wer das nicht möchte, soll während der Testphase in Berlin „leichte Ausweichmöglichkeiten“ vorfinden. Man kann die intelligente Überwachung also umgehen. Bleibt die Frage nach dem Warum: „Haben Sie etwas zu verbergen?“

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